Kulinarischer Gipfelstürmer: Das Upper Eat Side

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Giesing. Das bodenständige Viertel in Münchens Süden ist insbesondere für Giesinger Bräu, das 60er-Stadion und erschwingliche Mieten bekannt. Doch hier befindet sich, allen Vorurteilen zum Trotz, auch ein echtes Paradies für Feinschmecker, Weinkenner und Liebhaber regionaler Spezialitäten. Die Rede ist vom Upper Eat Side, das, obwohl in der Gourmet-Peripherie Münchens gelegen, beweist, dass Gutes und Schönes nicht nur in der Innenstadt oder in Szene-Vierteln zu finden ist.

Schon wenn man das 2012 gegründete Restaurant betritt, fühlt man sich auf eine angenehme Art und Weise angekommen. Der Raum und die ganze Atmosphäre vermitteln dem Besucher sich zu entspannen und sich Zeit zu nehmen, denn darum geht es hier: Zeit für Genuss und Gespräche in guter Gesellschaft. Das puristische Raumdesign, die Holztische samt weißer Tischtücher strahlen eine auch in belebten Momenten harmonische Stimmung und Ruhe aus, die zum Verweilen einlädt. Diese Beliebtheit des Upper Eat Side und sein Image als Geheimtipp sind durchaus begründet, denn das Konzept, die Qualität und der Service sind ehrlich, gut und durchdacht.

Die Küche des Lokals arbeitet – bis auf wenige Ausnahmen – mit saisonalen und regionalen Zutaten, so kommt beispielsweise das Lamm- und Schweinefleisch vom Martlhof am Tegernsee, Saibling und Forelle von der Isartaler Aumühle und die Kräuter nebst Rüben aus befreundeten Gärten. Die im Restaurant servierten Speisen sind aromatisch und raffiniert, aber niemals übertrieben aufwendig oder gar abgehoben. Schließlich sollen die Qualität und Aromen der Produkte im Mittelpunkt stehen und mehr noch – die saisonalen Zutaten bilden Grundlage und Ausgangspunkt für die wöchentlich wechselnde Karte. Auf dieser Karte, oder besser auf einer Schiefertafel an der Wand, stehen jeweils sechs bis sieben kleine Vorspeisen und drei Hauptgänge sowie Desserts und eine Käseauswahl. Nun hat der Gast die Qual der Wahl, denn er kann sich entweder im Tapas Stil durch die verschiedenen Vorspeisen wie Erbsenrisotto oder Lachsforellen-Tataki probieren oder er wählt lediglich ein bis zwei der kleinen Gerichte vorweg, um sich dann dem Hauptgang zu widmen. Auf die Wahl der Gesellschaft sollte man achten, denn Hauptgänge werden grundsätzlich für zwei Personen zubereitet und so lautet das Motto „sharing is caring“. Dieses Prozedere hat einen Grund: Kleine Gourmet-Portionen sind hier nicht gewünscht, stattdessen darf sich der Gast zum Beispiel an einem im Ganzen gebratenen Isar-Saibling erfreuen, welcher auf einem rustikalen Holzbrett serviert, auf den Tisch kommt. Dazu werden in großen Schüsseln Beilagen wie Bratkartoffeln mit frischen Kräutern oder frischer Gartensalat serviert und der Gast darf sich selbst und seinem Gegenüber austeilen, was für noch mehr heimelige Atmosphäre sorgt.

Als Aufmerksamkeiten aus der Küche werden dem Hungrigen außerdem zu Beginn frisch gebackenes Brot und Kleinigkeiten wie ein Gurkenschaum gereicht, wenngleich als Zwischengang gerne ein hausgemachtes Sorbet den Weg aus der Küche in den Mund findet. Ganz wie der Name des Restaurants es propagiert, geht es hier anspruchsvoll zu und obwohl die Stimmung recht unprätentiös, lässig und herzlich ist, stimmt alles – von der Qualität der Speisen bis hin zu den aufmerksamen Kellnern, die einem in Ruhe alle Speisen erklären und leere Gläser sogleich wieder füllen. Diesen Part übernimmt auch gerne Jochen, Geschäftsführer und Sommelier in Personalunion, höchstpersönlich. Seine Hilfe kann man gut gebrauchen, denn die umfangreiche Karte mit Weinen aus Deutschland, Österreich und Südtirol beinhaltet über 200 verschiedene Positionen, von denen der Riesling mit knapp der Hälfte aller die dominanteste Rebsorte im Portfolio ist. Und so bleibt es oft nicht bei einer oder zwei Flaschen, wenn hochoben auf dem Giesinger Berg das Mahl beginnt.

Und das soll auch so sein: Der Gast darf, soll und will hier im besten Fall länger sitzen und dabei essen, trinken, reden und die Zeit genießen. Die Zeit für die schönen Seiten im Leben – Genuss und gute Gesellschaft. Und am Ende ist man froh, dass das Upper Eat Side außerhalb gelegen ist und man nicht mehr in andere Bars weiterziehen muss, sondern den Abend hier ausklingen lassen kann. Entspannt, gesättigt und zufrieden.

Website: uppereatside.de