GRAPES Weinbar: Weingenuss Glasl by Glasl

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Wenn doch alles so einfach wäre. Einfach ankommen, einfach beraten werden, einfach lostrinken. Einfach entspannen. Die neue Weinbar „GRAPES“ im Münchner Cortiina Hotel ist ein Tempel der Gelassenheit und gleichzeitig angenehm anregend. Die ehemalige Cortiina Bar hat damit eine neue Bestimmung bekommen: Wo früher erstklassige Drinks serviert wurden, schenken nun zwei junge Sommeliers Glasl by Glasl Weine aus, die man nicht mehr so schnell vergisst.

Erstmal ein Österreicher. Auch der Wein, noch davor aber Markus Hirschler, Sommelier im GRAPES und fantastischer Gastgeber. Gerade mal 25 Jahre alt und bereits Vollprofi durch und durch. Nach Aufenthalten in Sternehäusern auf den Cayman Islands und London steht er einem nun hier im Herzen Münchens gegenüber, begleitet zum Platz und durch die Weine den ganzen Abend hindurch. Wer sich im GRAPES entscheidet, auf eigene Faust zu trinken, wird auf der ausgewählten und übersichtlichen Karte zwar schnell fündig, noch schöner ist es allerdings, sich ganz in die Hände von Markus zu begeben.

Versunken in Polsterstühlen und einmal durch die Karte gelesen, legt er uns das „Vertical Tasting“ ans Herz. Das Prinzip: Jeden Monat gibt es eine ausgewählte Vergleichsgruppe aus drei Weinen, immer zu einem bestimmten Thema. Im Januar sind es drei Weine von der Maische. Noch nie gehört, noch nie getrunken, also wird es bestellt. Zum Vergleich treten an: 2015 Tardana Orange aus Spanien, 2012 Ex Vero II aus Österreich und der 2014 Catavela aus Italien.

Michael positioniert ein Set mit den drei Namen der Weine vor uns, stellt die Gläser darauf und schenkt ein. Er erklärt: Auf der Maische vergorene Weißweine haben einen längeren Kontakt zu den Traubenschalen und Kernen. Danach lagert der Wein und wird teilweise nicht mehr filtriert. Wie nehmen die Gläser der Reihe nach in die Hand, tauchen unsere Nasen hinein und – müssen lachen. Wir fühlen uns, als würden wir eine neue Art, eine neue Spezies entdecken. Wie ein wildes Tier springt uns das Aroma der Maische an. Das muss der Gaumen erstmal sortieren… Der Erste erinnert an trüben Apfelsaft, strotzend, oxidativ. Der Zweite schmeckt nach Erdnuss und noch irritierender. Der Dritte driftet in die Richtung parfümierter Apfel, floral und saftig. Das ist also Wein auf der Maische. Diesen Geschmack werden wir ab jetzt blind zuordnen können: „Klar, Wein auf der Maische vergoren, schmeckt man doch?!“

Um wieder Boden unter den Füßen zu bekommen, bestellen wir einen soliden Käseteller, direkt aus den heiligen Hallen des Tölzer Kasladens am Viktualienmarkt. Eine schöne Auswahl, dazu warmes Brot und Fassbutter. Wer richtig zu Abend essen will, kann das auch tun: Drei Varianten vom Rouge Lachs bietet das Menü beispielsweise, als Tatar, warm geräuchert oder aus dem Ofen. Das Prinzip, ein Produkt in all seinen Facetten zu erkunden, wendet also auch die Küche im GRAPES an. Eine spannende und wirklich schöne Idee! Und davon gibt es noch eine: Immer montags bis freitags zwischen 17:30 und 18:30 Uhr und samstags zwischen 15:00 und 18:30 Uhr gibt es das „Bubble Up“, ein Aperitif mit feinem Happen: Eine Kombination aus Winzersekt und Flammkuchen, klassisch mit Speck und karamellisierten Zwiebeln oder vegetarisch mit Trüffel und Kartoffelcarpaccio.

Solltet ihr beim Bubble Up dann auf Stefan Grabler treffen, den zweiten Sommelier des Traubenduos, sollt ihr unbedingt auch schon mal von ihm gehört haben: Mit nur 24 Jahren hat er bereits etliche Stationen im Fine-Dining Bereich durchlebt, zum Beispiel bei Kolja Kleeberg und in der Berliner Cordobar. Wichtig für ihn: „Die Herkunft eines Weines soll genauso schmeckbar sein, wie die Liebe und Sorgfalt des Winzers.“ Ganz nach diesem Credo sucht er mit Markus die Weine hier spürbar aus: Rares, Edles und Überraschendes haben die Sommeliers auf  Lager, für jede Stimmung wird etwas geboten. Und dass die am Ende eines Abends im GRAPES heiter und beschwingt sein wird, das ist einfach gewiss.

Website: grapes-weinbar.de