Auf einen (oder viele) Bissen in den Hutong Club

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Ein Lokal mit chinesischer Küche, ganz in deutscher Hand – kann das gut gehen? Absolut, zeigt The Hutong Club in Schwabing. Chinesisches Essen kennen ja viele leider nur von der Take away-Karte des nächstgelegenen Schnellimbisses. Das heißt dann gern pauschal „asiatisch“ und ist eigentlich schlichtweg deutsch. Ein bisschen Glutamat für den mitteleuropäischen Gaumen, fertig ist das Chop Suey. Dass das mit der differenzierten Geschmackspalette authentischer chinesischer Küche wirklich gar nichts zu tun hat, beweist in München The Hutong Club. Dafür wurde das Konzept von Christian Ribitzki 2016 zu Recht mit dem SZ Gourmet Award ausgezeichnet.

Wie kommt ein deutscher Gastronom darauf, ausgerechnet chinesische Küche anzubieten? Christian Ribitzki, der lange Küchenchef im Eisbach war, hat sich für seine neuen Projekte (siehe auch The Drunken Dragon Bar) auf Reisen inspirieren lassen: Von den Chinatowns großer Metropolen, den Garküchen Hong Kongs und den kleinen Gassen rund um die verbotene Stadt Pekings, den Hutongs, nach denen das Restaurant in der Franz-Josef-Straße benannt ist.

Nun schmeckt natürlich die kantonesische Küche in Hong Kong eigentlich auch schon wieder ganz anders als die in Peking, aber das ist eben die Freiheit, die sich Christian Ribitzki nimmt. Er hat aus den verschiedenen Regionen Chinas und aus den Chinatowns von San Francisco, Singapur und London die leckersten Rezepte mit ihren verschiedenen Einflüssen zusammengetragen und gibt ihnen hier in München noch einmal eine ganz eigene Note. Klar, dass da auch Ungewöhnliches herauskommt! Mit der Liebe zum Handwerk orientiert sich Ribitzki aber ganz an seinen asiatischen Vorbildern. Mariniert, gepickelt und gebacken wird täglich frisch, jede Nudel wird von Hand gezogen, der Teig für die feinen Dumplings jeden Tag frisch zubereitet. Bei den Füllungen der kleinen Teigtaschen wird der Küchenchef dann gern kreativ. Gedämpfte Crystal Dumplings mit Jakobsmuscheln und Rapsblüten sind nur eine der köstlichen Kreationen, die Ribitzki auf den Teller zaubert.

Der Laden wirkt von außen eher unscheinbar, überzeugt im Innenbereich aber mit einem modern interpretierten chinesischen Design in schwarz, rot und türkis, mit viel Holz und Lack. Das Geschirr wird in China produziert und ist ausnehmend schön, die schwarz-lackierten Wände zieren rote chinesische Drachen und kleine beleuchtete Statuen. Das Licht ist gedämpft und taucht den Raum in eine edle und sehr private Atmosphäre, wie im Loungebereich eines exklusiven Clubs in Shanghai.

Motto des Hutong Clubs ist ‚famous asian bites!’, also „berühmte asiatische Happen“. Denn die Karte animiert den Gast, viele Kleinigkeiten zu bestellen und, nach chinesischer Manier, alles mit den Tischgenossen zu teilen. So packt man besonders viel Geschmackserlebnis in einen Abend und die Auswahl fällt nicht so verdammt schwer! Die Karte des Hutong Clubs kann sich nämlich sehen lassen, es gibt Chinese Flatbred & Dumplings, Buns & Crispy Things, Salads, Pickels & Veggies, Meat, Fish und Rice & Noodle Bowls.

Die Regeln von Vor- und Hauptspeise gelten hier nicht, man bestellt am besten Querbeet und isst, wie die Happen kommen! Ein Muss sind die Mongolian Lamb Dumplings mit Lammfleisch in Chili-Kräuterbrühe. Wem das zu funky ist, der bestellt die Spicy Pork and Chives Wan Tan mit Schweinehack, Knoblauch und Chili. Auch für Vegetarier und Veganer ist die Dumplingauswahl groß, ob Frischkäse mit Blattspinat, chinesische Morcheln mit Wasserkastanien, Spitzkohl und schwarze Bohnen oder ganz klassisch mit Tofu. Für den etwas größeren Hunger empfehlen sich die Baozi, gedämpfte Hefeteigklöse, mit Ochsenbäckchen gefüllt eine wahre Freude!

Ein echter Tip sind auch die verschiedenen hausgemachten Pickles. Ob die gemischten House Pickles oder die Chinese Cucumber Pickles mit Sesam, das eingelegte rohe Gemüse ist toll zum Starten oder um sich zwischendurch auf einen neuen „Gang“ vorzubereiten. Auch das Light Kim Chi mit verschiedenen Kohlsorten und Apfel ist köstlich als Beilage oder Zwischengang, noch besser schmeckt es allerdings im Pfannkuchen als Korean Kim Chi Pancake.

Shao Rou, knuspriger marinierter Schweinebauch, ist ein Klassiker der Szechuan-Küche. Hier kommt er mit gegrillten grünen Bohnen auf den Teller, die der heimliche Star dieses Gerichts sind! Auch die gegrillten Schweinerippchen in Hoisinsauce oder die Lammschulter mit Kümmel und Honig sind wahre Geschmackserlebnisse! Probiert haben sollte man unbedingt auch eine der handgemachten Nudelkreationen, mit Schweinehack, mit Hähnchen oder vegetarisch mit Auberginen und Tofu.

Die größte Gefahr im Hutong Club ist, dass auf dem Tisch nicht genug Platz bleibt für die vielen bestellten Happen. Also entweder nacheinander bestellen oder einfach dazu sagen, dass die kleinen Speisen nacheinander auf den Tisch kommen sollen! Das ist vor allem wichtig, weil ja auch noch die Getränke Platz finden müssen! Der Laden heißt schließlich nicht umsonst The Hutong Club, sondern bietet natürlich auch eine exzellente Weinkarte und mit der Cixi Bar richtig gute, von asiatischen Gewürzen und Aromen inspirierte Drinks an. Unbedingt einen der Character Drinks ausprobieren, zum Beispiel den Plum Sour mit Whisky, Pflaumenwein und Eiweiß. Na dann, bottoms up, oder auf Mandarin: Gānbēi (wörtlich: trockenes Glas)!

Website: http://www.thehutongclub.de