Die Taste 2017: Kann man guten Geschmack kaufen?

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Mea culpa: Irgendwie ist der ganze Hype um die Taste 2017 in München an uns vorbeigegangen. Wie kann das sein? Wir als selbstgekrönte Foodies und Trend Radare. Waren die babyblauen Plakate nicht flächendeckend genug tapeziert, haben die sozialen Netzwerke in ihrer Ankündigung nicht stark genug auf die Trommel geschlagen oder ist die Veranstaltung einfach im gros der Foodtruck, -messen, und -märkte untergegangen? Man munkelt.

Lange Rede, kurzer Sinn. Die Neugier hat uns dann doch gepackt. Schnell noch einmal für eine kurze Vorabrecherche ins Internet, bevor es losgehen soll. Wir besprechen uns und fragen uns nach kurzem Austausch, ob wir tatsächlich über die gleiche Veranstaltung reden. Wir sind verunsichert. Sternekochoutdoorspielplatz oder doch eine Werbeveranstaltung einiger Lebensmittel- und Getränkehersteller? Oder beides? Oder doch etwas ganz anderes? Egal! Auf geht’s zu dem vom Veranstalter genannten Begegnungsort: den Englischen Garten. Aber wo denn jetzt auf den 3,75 km²? Doch noch einmal ins Internet. Wir suchen! Schlussendlich gefunden – die alte Sportanlage Hirschanger nahe der Eisbachwelle. Geht doch. Wir fahren los.

Wir sehen schon von Weitem und durch viel Grün viel Weiß. Das Weiß der fachmännisch aufgestellten Luxusversionen von, nennen wir sie einmal „Marktstandbuden“. Das Areal ist groß und weitläufig. Man erwartet großen Andrang. Das Publikum verteilt sich. Zumindest am Donnerstag Abend, aber dies ist ja sozusagen auch erst der Auftakt der 4-tägigen Veranstaltung. Nichtsdestotrotz, die Münchener mid-age Schickeria ist da. „Tchin Tchin“, man prostet sich zu, während man entspannt auf großen Kissen oder gebrandeten Liegestühlen in die Abendsonne blinzelt und sich das ein oder andere ausgestellte Sponsoren-Auto anschaut.

Nach größerer Verwirrung unsererseits und der des Einlasspersonals über unsere Eintrittskarten und ob wir den richtigen Eingang benutzt haben, sowie Nachfragen ob wir jetzt nun bar oder über eine aufladbare Chipkarte bezahlen, betreten wir endlich die Showbühne „zur feinsten gastronomischen Adresse Deutschlands unter freiem Himmel“. Und da dürfen die zwölf eingeladenen Traditionsgastronomien bzw. -gastronomen nicht fehlen. Eine bunte und wirklich facettenreiche Auswahl: bodenständige dallmayrische Sterneküche , die jungen Unkonventionellen der Vu Tang Kitchen und Dominik Käppeler aus dem experimentellen Showroom warten auf.  Aus den jeweiligen Menüs kann man sich dann das ein oder andere Schmankerl aussuchen, wenn man denn bereit ist, zwischen ca. 5-25€ pro Portion von seiner hoffentlich aufgeladenen Chipkarte buchen zu lassen.

Nach dem Essen kommt der Durst. Ab zu den wirklich schön gestalteten Ständen von Ketel One Vodka, Ron Zacapa und Licor 43. Die sind nämlich auch da. Auch lokale Eis -und Bonbonmanufakturen, Lebensmittel-Online-Lieferdienste, Weingüter und Lebensmittelhersteller aller Art zeigen was sie so zu bieten haben. Und wie auf jeder guten Foodie-Messe fehlen auch hier Kochkurse, Showbühne, Taste Academy und ähnliches selbstverständlich nicht.

Noch schnell einen Blick in das sogenannte VIP-Zelt werfend, müssen wir leider mit Bedauern feststellen, dass dieses mit grünem Rollrasenteppich und Glööckler-Mobiliar ausgestattete Mehrmannzelt eher einem Zweitligaspiel zwischen dem FC Heidenheim und dem FC Erzgebirge gleicht, als einem erstligareifen Gourmet-Festival. Auch nach Rücksprache mit einigen Ausstellern manifestiert sich der ein oder andere organisatorische Mangel. Man könnte es mit einer seufzerunterstützenden Geste abtun und bedeutungsschwanger verlauten lassen: „Ja mei – Kinderkrankheit!“ Wenn es denn diese Art von Festival nicht schon seit Jahren in anderen Städten gäbe und wenn IMG, eine der größten Eventagenturen der Welt, nicht hinter der Idee stecken würde. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär…

Ups, ein Blick auf die Uhr: 21.30. Der Spaß ist vorbei. Und so gehen wir über Stock und Stein zurück durch den Englischen Garten Richtung Eisbachwelle und sinnieren. Sinnieren darüber, was wir schreiben sollen und ob wir uns schlussendlich nicht doch gewünscht hätten, dass die Taste 2017 tatsächlich im sozialen Mediendschungel untergegangen und somit an uns vorbeigegangen wäre.

Am Ende des Tages sind wir uns einig: Wir sind immer noch großer Fan guten Essens. Brauchen wir Sterneküche? Ab und zu – warum nicht! Wollen wir diese lauwarm,  an weißen Stehtischen mit Selbstbedienung und gehetzt, weil unsere Tickets ja nur von 17.30 bis 21.30 Uhr gelten? Nein! Und schon sind wir bei der Frage, ob man guten Geschmack kaufen kann?

Nichts für Ungut. Wir mögen die Idee – Streetfood liebäugelt mit Gourmetessen! Wenn dieses leider doch zu deutlich wie eine unpersönliche Großveranstaltung wirkende Event mehr Herzblut, Authentizität und persönliches Ambiente Priorität in der Umsetzung zugestanden hätte, könnte dies bestimmt beim nächsten Mal eine wirklich runde Sache werden. Denn so werden die wunderbaren Köche, das Essen und leider auch das Besuchererlebnis ein austauschbares Ereignis.*

*Dieser Beitrag wurde von keinem und niemandem gesponsert.

Website: muenchen.tastefestivals.com