Ein Schwein für viele Genießer: Crowdbutcher25

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Eine Gruppe an Fleischliebhabern, ein Metzger, die Zahl 25: drei Komponenten, die Holger und Simon unter Crowdbutcher25 vereinen. Neben Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung liegt es den Gründern dabei vor allem am Herzen, die Beschaffung von qualitativ hochwertigem Fleisch zu erleichtern. Warum und wie sie diese Ziele mit ihrem jungen Start-Up erreichen, verrät Gründer Simon im Interview.

Aufgewachsen auf einem Bauernhof in der Nähe von Würzburg war es für Simon ein gewohntes Privileg, Zugang zu gutem Fleisch zu haben: „Mein Vater hielt neben Ackerbau einige Rinder, sowie jedes Jahr ein eigenes Schwein, das am Ende des Jahres für den Eigenverbrauch unserer Familie geschlachtet wurde.“
Als er seinen zukünftigen Mitgründer Holger kennenlernte, musste er jedoch feststellen, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist: „Für ihn war es in Ingolstadt ein großer Aufwand an gutes Fleisch zu kommen. In Gesprächen mit Freunden in München merkten wir schnell, dass es vielen Menschen ähnlich geht: Sie würden gerne qualitativ hochwertiges Fleisch aus artgerechter Haltung direkt vom Bauernhof kaufen, aber ihnen fehlen die Möglichkeiten.“
Aus dem Ziel dieses Dilemma zu lösen, wuchs schließlich die Idee für Crowdbutcher25: „Gutes Fleisch aus der Region direkt beim Bauern zu kaufen ist für viele Menschen schwierig; zudem bleibt dem Landwirt immer das Problem mit den ‚Resten‘. Deshalb dachten wir uns, warum bringen wir nicht einfach das Fleisch von Bauern, denen wir vertrauen, direkt zu den Kunden nach Hause und helfen ihnen, das ganze Tier an den Mann zu bringen?“

„Warum bringen wir nicht einfach das Fleisch von Bauern, denen wir vertrauen, direkt zu den Kunden nach Hause und helfen ihnen, das ganze Tier an den Mann zu bringen?“

Wie es der Name bereits andeutet, setzt sich Crowdbutcher25 aus drei Komponenten zusammen: einer Crowd, zu Deutsch „Gruppe“, einem Butcher, der hierzulande „Metzger“ getauft ist und der Zahl 25. Diese ergeben unter „Crowdbutcher25“ eine Online-Plattform auf der sich Menschen gemeinsam ein Schwein teilen. Das Prinzip: „Der Kunde bestellt bei uns ein Paket aus verschiedensten Produkten vom Schwein. Das Tier wird jedoch erst geschlachtet, wenn es wirklich auch zu 100% verkauft ist. Die Zahl 25 steht für die 25. Stunde am Tag, also die Stunde, die sich jeder von uns manchmal wünscht, um sich selbst was Gutes zu tun und zu entspannen“, so Simon weiter. Genau so eine 25. Stunde wollen sie Fleischliebhabern mit Crowdbutcher25 zurückgeben: „Menschen sparen sich viel Zeit für die Bauernhofsuche und lange Anreisen, wenn sie qualitativ hochwertiges Fleisch aus artgerechter Haltung bequem, frisch und gekühlt zu sich nach Hause bestellen können“.

Das zweite große Ziel, das Simon und Holger neben der Praktikabilität der Fleischbeschaffung mit Crowdbutcher25 verfolgen, ist es, „Bewusstsein zu schaffen, dass hinter jedem Stück Fleisch ein Tierleben sowie viele Ressourcen stecken und deshalb achtsam damit umgegangen werden muss“, betont der Gründer. Crowdbutcher25 ist ein Aufruf, sich stärker mit Fleischkonsum auseinanderzusetzen und vertritt damit eine abwechslungsreiche Perspektive auf den aktuellen Hype um Superfoods und Trendernährungen: „Wir möchten eine möglichst nachhaltige und auch moralisch vertretbare Alternative für all die schaffen, die nicht gänzlich auf Fleischprodukte verzichten möchten. Bei uns geht es nicht um Massenproduktion und übermäßigen Verzehr, sondern einen verantwortungsvollen Umgang mit Fleisch. Lieber seltener Fleisch essen, dafür aber qualitativ hochwertiges, das aus der Region und fairer Tierhaltung stammt. Deshalb möchten wir auch so transparent wie möglich sein, damit Fleischkauf eine bewusste Entscheidung wird“, betont Simon.

Um solch eine Transparenz gewährleisten zu können, müssen zuerst die Inhaber selbst in vollem Bilde über ihre Produkte sein. Das Fleisch beziehen sie daher nur von Betrieben, die sie „menschlich, im Umgang mit den Tieren und auch hinsichtlich der Qualität ihrer Waren überzeugen können“. Bei der Auswahl der Lieferanten zählen für Simon und Holger deshalb mehr als oberflächliche Qualitätskriterien: „Wir besuchen Bauernhöfe, sehen uns an, wie die Tiere gehalten werden und sprechen mit den Bauern, um herauszufinden, mit wem wir es zu tun haben und was den Betrieb so besonders macht. Außerdem informieren wir uns über Rassen und Züchtungen, Futtermittel und Umgang mit Krankheiten. Siegel, wie zum Beispiel das Biosiegel, sind für uns nur sekundär interessant, da oftmals der Gesamtbetrieb betrachtet wird und die Vorschriften in der Praxis dann doch recht flexibel ausgelegt werden können. Pflicht ist: Artgerechte Haltung, Verzicht auf präventiven Antibiotikaeinsatz und kurze Transportwege.“

Da der Auswahlprozess so großer Sorgfalt bedarf, beschränkt sich das Angebot des jungen Start-ups bisher auf Schweinefleisch, genauer gesagt auf das Fleisch des Schwäbisch-Hällischen Landschweins. Eine Sorte, die sich laut Simon deutlich vom klassischen Schweinefleisch abhebt: „Diese alte Schweinerasse ist sehr vital und stressresistent und wurde anfangs der 1980er Jahre fast völlig durch industriegerechte Magerschweine verdrängt, deren Fettgehalt geringer war, die eine Rippe mehr hatten und schneller gemästet werden konnten. Das Fleisch vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein ist sehr zart und saftig. Mit der natürlichen Speckauflage ist ein starker Qualitätsunterschied zum klassischen Schweinefleisch schmeckbar.“
Auf Dauer soll sich das Angebot jedoch nicht auf das Schwäbisch-Hällische Landschwein beschränken. Den ersten Zuwachs zur Produktpalette kann Simon bereits bestätigen: „Ab Juli 2017 werden wir das Angebot um Wild erweitern.“

Fleischkonsum im Gemeinschaftsprojekt von zu Hause: Mit Crowdbutcher25 haben Simon und Holger eine vielschichtige Philosophie in ein simples Online-Konzept übersetzt. Verständlich, zugänglich und aussagekräftig zeigt das Start-Up damit neue Wege im Umgang mit Tieren auf. Der Weg in Richtung eines Umdenkens in Sachen Fleischverzehr ist eingeläutet – wir dürfen gespannt sein auf die nächsten Schritte.

Website: Crowdbutcher25