Kulinarische Grüße von Münchens Lower East Side: Der Dantler

Geschrieben von

Dass New Yorks East Side sich wunderbar lecker in Münchens Osten übersetzen lässt, haben Jochen und Maximilian uns die letzten fünf Jahre im Upper Eat Side bewiesen. Nun wanderten die beiden einmal quer durch Midtown Manhattan an die Lower East Side und entdeckten die hiesige Deli-Küche für sich. Ihr bayerisches Pendant: Der Dantler, das „Giesing Deli“.  

Um die Deli-Küche verstehen zu können, müssen wir uns zunächst mit dem Prinzip „New York Deli“ vertraut machen. Das Wort Deli ist die Kurzform für „Delikatessen“, womit in New York die vielen kleinen Restaurants beschrieben werden, die in der Metropole an jeder Ecke zu finden sind. Fast widersprüchlich zu unserem deutschen Verständnis einer Delikatesse wird dort alles andere als Schickimicki-Speisen, sondern bodenständige Gerichte angeboten. Außerdem wichtig: In Punkto Service setzen Original New Yorker Delis auf das Prinzip der Selbstbedienung – ob To-Go-Imbiss oder Speiselokal. Was die Delis so beliebt macht? Ihr Preis- /Leistungsverhältnis. In der Stadt, wo man beim Bezahlen im Supermarkt das Gefühl hat, einen Goldbarren im Wagen zu haben, ist es nämlich alles andere als eine Selbstverständlichkeit, einen bezahlbaren Mittagssnack zu einer zufriedenstellenden Qualität zu finden.

Glücklicherweise müssen wir uns in München aber nicht weiter für die New Yorker Delis interessieren. Denn seit September dieses Jahres haben wir unser ganz eigenes Deli in München, genauer gesagt in Giesing, Münchens Lower East Side. Fünf Jahre lang haben Jochen Kreppel und Maximilian Süber uns im Upper Eat Side gezeigt, wie lecker sich ausgewählte Erzeugnisse aus Münchens (nahem und fernem) Umland in malerische Menüs verwandeln lassen – jetzt weht unter dem Namen „Der Dantler“ ein neuer Wind in den heiligen Hallen in der Werinherstraße.

Alles neu? Nicht ganz. Am stark regionalen Einschlag, der beeindruckenden Weinauswahl aus Deutschland, Südtirol und Österreich hat sich nichts geändert. Auch das Interieur ist deutlich wiederzuerkennen. Doch im Hinblick auf das Konzept ist das Upper Eat Side kaum wiederzuerkennen: Aus abends wurde tagsüber, aus gesetztem Menü wurde Speisekarte. Wie es sich für ein Deli gehört, öffnet Der Dantler Montag bis Donnerstag von den Mittags- bis in die frühen Abendstunden seine Türen. In diesem Zeitraum heißt er euch mit hausgemachter Pasta, Sandwiches, Salat und typischen New York Deli Gerichten, natürlich bayerisch interpretiert, willkommen.

Freitags hingegen weht ein anderer Wind: Nach einer verkürzten Mittagsphase laden Jochen und Maximilian ab 19:00 Uhr zur Carte blanche und servieren ein Überraschungsmenü. Für den Genuss dieses Gastro-Erlebnisses wird ein Ticket benötigt, dass derzeit nur vor Ort in Giesing erworben werden kann. Für die einen kompliziert, für die anderen exklusiv – doch zweifellos typisch New York.

Unser Besuch im „Der Dantler“ begann mit hausgemachten Gnocchi mit Piccolino-Basilikum, Ricotta und Tomaten, die Jochen an der offenen Küche im Gastraum zubereitete. Ganz nach dem Prinzip des Sharing-Dinners probierten wir uns anschließend einmal quer durch die Speisekarte.

Unser Mini-Menü begann mit dem klassischen Pastrami-Sandwich, für das Jochen sowohl die Essiggurken als auch das Fleisch selbst einlegt. Von der Röstung und Würze des Brotes bis zur herrlich-weichen Konsistenz des Fleisches, dem Verhältnis der einzelnen Komponenten bis hin zum feinen Senf-Finish überzeugte uns der erste Gang auf ganzer Linie.

Anschließend wählten wir Giesing-Ramen, die bayerische Interpretation der japanischen Nudelsuppe mit Soba-Nudeln, Schweinbauch und Ei. Auch wenn der Koriander hierbei deutlich zu schmecken war, fehlte uns in der Suppe etwas die Würze. Schließlich sind wir aus der asiatischen Küche eigentlich eher Geschmacksexplosionen gewohnt.

Doch schon der Anblick unseres letzten Ganges führte uns nach dieser kleinen Talfahrt wieder direkt in Richtung Gastro-Gipfel. Bestellt hatten wir, ganz banal: Käse; bekommen haben wir eine wunderschöne, eigens vom Schreiner angefertigte Holzschatulle, die mit einem Gummiband mit mini Schweizer-Taschenmesser verschlossen war. Wie ein wertvoller Schatz befand sich darin eine kleine, aber sehr feine Käseauswahl, die perfekt temperiert war und wunderbar mit dem dazu gereichten Apfel Chutney harmonierte.

Nach unserem Besuch sind wir überzeugt: Der Dantler ist kein Abklatsch eines New York Delis, sondern eine völlig neue Interpretation eines Tageslokals, das Highlights aus internationalen Küchen mit regionalen Zutaten und lokalen Geschmäckern vereint. Wir freuen uns sehr auf (mindestens!) weitere fünf Jahre Giesing-Kulinarik mit Jochen und Maximilian.

Website: Der Dantler