Restlos Glücklich: Gerettete Lebensmittel in 3 Gängen

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Den unzähligen Lebensmitteln eine zweite Chance geben, die aufgrund von optischen Mängeln im Handel aussortiert werden – so lautet das Credo des Berliner Start-ups Restlos Glücklich. Die Initiative ist überzeugt, dass äußerlich unperfekte Produkte häufig sehr wohl mit inneren Werten Punkten können und geht in ihrem Non-Profit-Restaurant in Berlin Neukölln mit bestem Beispiel voran.

Nicht in Form und krumm gewachsen? Ab in den Müll mit dir, liebes Gemüse. Das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten? Auf Nimmerwiedersehen in die Tonne, ihr lieben Lebensmittel. Knick in der Optik? Auch ihr, liebe Supermarktprodukte, wandert direkt ins Müllnirvana. So ungefähr geht es in Deutschland täglich unzähligen Lebensmittel, die äußerlich nicht ins Schema „perfektes Produkt“ passen, obwohl gegen ihre geschmacklichen Werte überhaupt nichts einzuwenden wäre. Auch wenn solche Lebensmittel sich im Einzelhandel im Normalfall weniger gut verkaufen, gab es 2014 sieben junge BerlinerInnen, die genau diese ausrangierten Produkte auf ihrer Einkaufsliste hatten: die GründerInnen von Restlos Glücklich.

Ziel des Vereins ist es, einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln und die Wertschätzung gegenüber Obst, Gemüse und Co. wieder tief in unseren Köpfen zu verankern. Um zu zeigen, wie gut sich für den Müll bestimmte Lebensmittel noch verarbeiten lassen, verwertet die Initiative genau diese Produkte in ihrem Non-Profit-Restaurant in Berlin Neukölln, das 2016 dank einer Crowdfunding-Kampagne realisiert werden konnte. Dass sich die Idee, mit geretteten Lebensmitteln zu kochen, bewähren kann, haben bereits Vorbilder in Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden bewiesen – allen voran des Pionier-Restaurant rub and stub in Kopenhagen. Restlos Glücklich stellte das Modell im letzten Jahr auf die Bewährungsprobe in Deutschland.

Das Café Restlos Glücklich eröffnete im April letzten Jahres als Pop-up-Restaurant in Berlin Neukölln. Das Konzept: Das Team, größtenteils Ehrenamtliche sowie ein professioneller Koch, zaubert an Dinner-Events von Mittwoch bis Samstag ein spontanes Menü aus jeglichen Lebensmittel, die ihnen ihre Partner am jeweiligen Tag vor dem sicheren Vergammeln im Müll gerettet haben. Und damit ihre Bemühungen nicht mit den eigenen vier Wänden enden, investiert der Verein die Gewinne des Restaurants in Bildungsprojekte zum kreativen Umgang mit Lebensmitteln, wie Kochkursen, Besuchen bei Lebensmittelproduzenten und Info-Workshops.

Was abends auf den Tisch kommt, kann bei Restlos Glücklich niemand vorhersehen – weder die Lieferanten, noch die Vereinsmitglieder. Eine regelmäßig geltende Speisekarte? Eine feste Menüfolge? Fehlanzeige! Bei Restlos Glücklich ist Spontanität gefragt! Für Leoni Beckmann, Mitgründerin des Vereins, ist deshalb jeder Besuch im Café sowohl für Gäste als auch für die Freiwilligen selbst immer wieder ein kulinarisches Abenteuer. Aktuell führt euch das Abenteuer Restlos Glücklich in die Pop-up Location am Maybach, wo euch jeden Freitag- und Samstagabend ein vegetarisches 3-Gänge-Überraschungsmenü aus geretteten Lebensmitteln serviert wird.

Heute, fast eineinhalb Jahre später, zeigen das Fortbestehen des Restaurants (wenn auch in neuer Location), das kontinuierliche Wachstum des Vereins und nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Social Award beim Gastro-Gründerpreis 2016, dass das Modell „Kochen mit geretteten Lebensmitteln“ seine Bewährungsprobe in Deutschland mit einer Eins mit Stern bestanden hat. Das Projekt macht nicht nur auf die Problematik der Lebensmittelverschwendung in Deutschland aufmerksam, sondern präsentiert gleichzeitig die Lösung am eigenen Beispiel – anschaulich, verständlich und ganz einfach zum Nachmachen. Ein Gastro-Konzept, dass wir so sehr gerne viel öfter sehen – und schmecken – würden.

Website: Restlos Glücklich