Wiesnbilanz 2017: So hat München gefeiert

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Nun kehrt in München wieder Ruhe ein. Die Wiesn ist vorbei und jeder begibt sich in den Alltag zurück. Manche hatten nach durchfeierten Nächten nur ein oder zwei Fehltage bei der Arbeit, andere wiederum nur zwei oder drei Tage Pause in ihrem ganz persönlichen Wiesn-Marathon, der dieses Jahr ganze 18 Tage andauerte. Wir ziehen Bilanz.

Stimmungsbilanz

Das weltgrößte Volksfest bringt jedes Jahr Millionen von Menschen aus der ganzen Welt zusammen. Schon Wochen vorher spüren wir in München dieses einzigartige Gefühl. Mehr und mehr sieht man Lebkuchenherzen, blau-weiße Rauten und wunderschöne wie auch – leider – touristische Trachten in den Schaufenstern. Es heißt wieder „Ozapft is!“.

Früh morgens vor dem Zelt anstellen oder gar die ganze Nacht davor kampieren, das hatte für einige Besucher Tradition. Doch es war ein Wiesnjahr mit verstärkten Sicherungsvorkehrungen. Erst um 9 Uhr morgens war Einlass auf das Festgelände, dann aber mit Sprint in Richtung Zelt. Laut selbsternannten Wiesn-Experten sollte diese Neuerung zu deutlich rückläufigen Besucherzahlen schließen. Ist das wahr?

Wenn man sich so umhört, gibt es eigentlich nur Zuspruch. In den Medien und Netzwerken las man überall den großen Wunsch nach einer friedlichen Wiesn. Auch die Besucherzahlen zeigen, dass das verstärkte Sicherheitskonzept keineswegs Besucher fernhält. Denn dieses Jahr waren 6,2 Millionen Wiesn-Fans auf dem weltgrößten Volksfest zu Gast – ein neuer Rekord!

Ob als echter Münchner, Zugezogener oder Wiesn-Besucher – jeder erlebt die Wiesn auf seine ganz eigene Art und Weise. Egal wen man fragt, man hört niemals die gleichen Geschichten. Genau das macht die Wiesn so einzigartig. Denn irgendwie gleichen kein Zelt, kein Tag und auch kein Jahr dem anderen und doch gibt es Traditionen und Ereignisse, die sich jedes Jahr wiederholen.

Die einen beobachten jedes Jahr aus dem Riesenrad den Trubel auf der Theresienwiese. In der hoch oben schaukelnden Gondel freut man sich auf die nächste Maß oder schließt den vergangenen Tag mit einem unvergleichlichen Ausblick ab. Die anderen versuchen vergeblich, die besten Plätze beim Teufelsrad zu ergattern. Nicht jeder traut sich auf das drehende Ereignis, doch der Mut wächst bekanntlich mit jeder Maß.

Zeltbilanz

Dieses Jahr ist uns dennoch besonders aufgefallen, wie viele davon schwärmten, dass man im Himmel der Bayern, dem traditionellen Hacker-Festzelt, das allerbeste Hendl findet. Nachdem wir uns selbst davon überzeugen konnten, können wir einfach nur zustimmen! Das Hacker-Zelt hat fast 7.000 Sitzplätze und die Stimmung ist einfach urig, bayerisch und traditionell. Wenn man dann, nach einem Schluck Hacker-Pschorr, den Blick nach oben richtet, sieht man die Zeltdecke voller Wolken und Sterne und fühlt sich wirklich wie im bayerischen Himmel. Die Münchner Traditionsmarke ist uns auch außerhalb der Wiesn mit frechen, bunten Plakaten in der ganzen Stadt aufgefallen. Ein echter Hingucker!

Ins Paulaner Festzelt passen rund 2.000 Gäste mehr rein. Das Highlight des Winzerer Fähndl ist ganz klar die detailverliebte, schöne Dekoration. Dadurch strahlt das Zelt trotz seiner Größe von über 8.400 Sitzplätzen echte bayerische Gemütlichkeit aus.

Jeder weiß, dass man in der Käfer’s Wiesn-Schänke vor allem Promis trifft und natürlich die, die gerne dazugehören möchten. Aber das kleine, 1000 Sitzplätze umfassende Zelt ist vor allem auch was für Weinliebhaber und Feinschmecker. Dort ist es urig und gleichzeitig schick, die Trachten funkelten wie jedes Jahr ein wenig mehr und neben Paulaner Bier wird viel, viel Wein zur typischen Käfer-Ente oder feinem Rehrücken ausgeschenkt. Außerdem darf man hier bis halb eins in der Nacht feiern! Doch nachdem die anderen Zelte geschlossen haben, ist es nahezu unmöglich, noch ins Käferzelt zu kommen. Außer natürlich, man kennt einen, der einen kennt…

Wenn wir nun schon bei den Feinschmeckern unter den Wiesnbesuchern angekommen sind, darf man das Café Kaiserschmarrn mit seinen feinsten süßen Schmankerl natürlich nicht unerwähnt lassen. Wenn man sich die Namen der Sitzecken wie Hörnchenhimmel, Krapfenstüberl und Strudelwinkel dann auf der Zunge zergehen lässt, fühlt es sich an wie im Zucker-Paradies.

Noch etwas ruhiger und beschaulicher war der Spaziergang über die Oide Wiesn. Glücklicherweise hat uns das Münchner Wetter dieses Jahr mit ein paar milden Herbsttagen und Sonnenstrahlen die Wiesn versüßt. Die nostalgischen Buden und Fahrgeschäfte der Oidn Wiesen stammen aus der Zeit, als das bayerische Königshaus noch auf die Wiesn eingeladen hat – beeindruckend! Das Wurfspiel „Runter mit dem Zylinder“ stammt zum Beispiel aus dem Jahr 1910. Die Original-Holzköpfe sind bereits über 100 Jahre alt und können heute noch im Münchner Stadtmuseum bestaunt werden. Was viele nicht wissen: die Oide Wiesn ist noch gar nicht so alt. Es gab sie erstmalig im Jahr 2010 zu Ehren des 200-jährigen Jubiläum des Oktoberfest.

After-Wiesnbilanz

In der Stadt ist nach den turbulenten Tagen Ruhe eingekehrt. Lederhosen und Dirndl werden schlagartig gegen die Übergangsjacke ausgetauscht, die Wiesngrippe hinterlässt ihre Spuren und man freut sich schon auf das kommende, ruhige Herbstwochenende ohne Schunkeln und Feiern. Dennoch war es wunderbar, wie jedes Jahr!

Zum Schluss noch ein kleines Style-Update: Bedruckte Wäscheklammern mit schlüpfrigen, charmanten und frechen Botschaften wurden dieses Jahr sozusagen zum Must-Have-Accessoire einer schicken Tracht. Lebkuchenherzen sind unter echten Wiesn-Kennern total out. Unsere gesichteten Highlights waren „Schleife links“, „1 Maß 1 Kuss“ und „nur schmusn“.