Caspar Plautz auf dem Viktualienmarkt: Deutsche Kartoffeln mal anders

Geschrieben von

„Gekocht mit Essig und Öl genießen.“ Diese elaborierte Zubereitung war das erste Kartoffelrezept, das jemals aufgeschrieben wurde. Der Mönch Caspar Plautz hat es 1621 schriftlich verewigt – damals waren Kartoffeln ein Arme-Leute-Essen und dementsprechend wenig beliebt. Heute verkaufen Theo (30) und Domi (29) unter selbigem Namen rohe und Ofenkartoffeln auf dem Münchener Viktualienmarkt. Die Rezepte der zwei Jungs sind dabei – Gott sei Dank – um einiges schmackhafter als noch im 17. Jahrhundert. 

Der jüngste Stand auf dem Münchener Viktualienmarkt hat sich diesen Namen in doppelter Hinsicht verdient: Erst seit Kurzem neu eröffnet und in den Händen von zwei Jungs, die den Altersdurchschnitt des Marktes um einige Jahre nach unten drücken. Weder Theo noch Domi hatten als Goldschmied bzw. studierter Soziologe in der Vergangenheit etwas mit Kartoffeln zu tun. Aber wie sagt man so schön? Die schönsten Geschichten schreibt das Leben, während man andere Pläne macht. Allerdings sind die beiden kulinarisch dann doch nicht ganz auf der Brennsuppn daher geschwommen: Über eine kleine Catering-Firma sind sie Freunde geworden.

Als Theo dann eines sonnigen Tages zum Kaffee trinken auf dem Viktualienmarkt saß und den geschlossenen Kartoffelstand nebenan sah, kam er spontan mit dem damaligen Besitzer Fabi ins Gespräch. Der wollte den Stand aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fortführen, und nach einem kurzen Gespräch hielt Theo die Schlüssel zum Laden in der Hand und das Angebot, den Stand zu übernehmen. Es hat dann allerdings doch noch zwei Monate gut-deutscher Bürokratie und Vorbereitung gekostet, um alles auf die Beine zu stellen. Jetzt aber hat der Stand die Läden geöffnet, und die beiden sind begeistert und etwas überwältigt von ihrem eigenen Mut, etwas so Waghalsiges zu tun.

„Super flashig, da sind echt alle Gefühle dabei“, beschreibt Theo die Erfahrung bis jetzt. Dabei haben die beiden am ersten Tag gleich so viel Essen verkauft, dass ihr gesamtes Mise en place für die erste Woche weg war. Das Lunchangebot besteht zur Zeit noch ausschließlich aus Ofenkartoffeln mit verschiedenen Toppings: herzhafte Varianten mit Blutwurst und Kraut – eine Hommage an das rheinische Himmel un Äad –  oder mit Roastbeef und geschmolzenen Zwiebeln, exotisch mit Spinat, Linsen, Kokosmilch und Kichererbsen, norddeutsch mit Matjes und Apfel oder typisch Frankfurt mit grüner Sauce, Pumpernickel und Kresse. Pläne für den Ausbau der Kartoffelküche gibt es aber schon: In mittelnaher Zukunft soll es auch Schupfnudeln, Süßspeisen aus Kartoffelteig und echte Münchner Kartoffelknödel geben.

Neben Mittagessen bieten die beiden auch sicherlich die umfangreichste Auswahl an Kartoffelsorten in ganz München an. Ihr Lieferant Peter aus Schwifting ist ein echter „Kartoffelexperte“ und hat über 80 Sorten im Angebot, darunter die Bio-Kartoffel „Agria“, die hier exklusiv verkauft wird, oder die Kartoffel „Andengold“, die dunkelgelb ist und hervorragende Bratkartoffeln hergibt. Wer etwas über Kartoffeln wissen möchte, ist bei Theo und Domi mittlerweile goldrichtig.

Und wie geht es für die Jungs jetzt weiter? Die beiden können sich grad auf jeden Fall vorstellen, den Stand langfristig zu betreiben. Theo freut sich allerdings auf den Frühling, wenn es morgens um 8:00, Arbeitsbeginn, nicht mehr ganz so kalt an den Füßen ist… Bis dahin werden sie die Mittagskarte ausbauen, ihren Instagram-Account pflegen – eine echte Neuheit auf dem Traditionsmarkt – und sich daran gewöhnen, dass sie mit ihrem Kartoffelstanderl nicht nur Erfolg haben, sondern den Viktualienmarkt auch einen kleinen Ticken verjüngen. Wir drücken die Daumen und folgen #casparplautz!

www.facebook.com/caspar.plautz