Jochen kann Kochen: Das Obacht Maxvorstadt

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Eine Augustinerwirtschaft gibt es an der Ecke Schwind-und Schellingstraße in der Maxvorstadt schon lange. Aber eine, in der sich Studenten und Senioren, Bauarbeiter und Businessmänner, Fußballer und Fashionistas gleichermaßen wohlfühlen? Fehlanzeige? Bis jetzt! Bis Michel und Holle Ende Juli das Obacht eröffneten.

Schwabingern oder vor allem Schwabinger Fußballfans sind Holger Britzius und Michael Jachan alias Holle und Michel bestimmt ein Begriff. Sie sorgen in ihrer Kneipe, dem Stadion in der Schleißheimerstraße, dafür, dass Fußballfans Championsleague, Bundesliga und Co. genießen können. Kennengelernt haben sich die beiden vor vielen Jahren in der Kultkneipe selbst, wo Holle und Michel zunächst selbst noch als Stammgast zu Besuch waren. Als Michel schließlich nach einer Abwechslung zu seinem beruflichen Alltag in der Unternehmenskommunikation suchte, rutschte er tiefer in die Stadionbranche hinein. Und die Kneipe wurde zum Teamprojekt.

Nun war es an der Zeit für etwas Neues: Die Betreiber des Stadion an der Schleißheimerstraße, kurz: Stadion, pachteten das Augustinerwirtshaus in der Schwindstraße. Zu dieser Zeit trug das Eckgasthaus noch den Namen Hexenkessel, das mittlerweile schon ein bisschen zu viel Vintage-Charme abbekommen hatte. Die Qualität im Keller, das Publikum fragwürdig; so kam es, dass sich immer weniger Hungrige und Durstige in das Wirtshaus verirrten und das Feuer des Hexenkessels zu Beginn des Jahres endgültig erlosch. Gleich ums Eck vom Stadion, super Lage mitten in Schwabing und Augustiner-Bier? Perfekte Voraussetzungen für Holles und Michels zweites Gastro-Projekt.

Das Konzept steht: Ein Wirtshaus mit zeitgenössischen Impulsen. Denn Ziel der Renovierung, die Hand in Hand mit der Traditionsbrauerei Augustiner erfolgte, war die Neuinterpretation des urigen Charmes einer klassischen Augustiner Kneipe mit modernem Flair. Wie das gehen soll? Holzmobiliar vor einer Bar im industriellen Stil und Streetart-Portraits bayerischer Größen wie Karl Valentin und Pumuckl von Michael Wiethaus alias Mixen (einem Stammgast im Stadion). Kurz: Helle Wände treffen auf Holz und hippe Kunst. Generell erinnert im neuen Interieur also nicht mehr viel an den alten Hexenkessel, bis auf den Augustinerkessel selbst. Denn dieser thront damals wie heute über dem Podest im Gastraum.

Das Konzept ist klar, das Interieur steht – es fehlte nur noch der Name. Und hier kommt wieder das Stadion ins Spiel (was noch das ein oder andere Mal der Fall sein wird). Immer wenn er beim Bier servieren durch die Menge lief, schrie sich der Kellner in der Fußballkneipe mit „Obacht“ den Weg frei. Die Gäste hatten immer wieder ihren Spaß daran, der Kellner verschaffte sich in nullkommanichts Aufmerksamkeit, die Aktion blieb im Gedächtnis. Somit war der Name für Holle und Michels zweites Gastro-Projekt gefunden: Obacht, der bayerische Ausdruck für „Gib Acht“. Und um nochmals zu verdeutlichen, dass das Gasthaus Potential zur neuen Viertelkneipe haben soll, gesellte sich noch der Beiname Maxvorstadt hinzu.

Sobald die Rahmenbedingungen abgesteckt waren, ging es ans Eingemachte – oder sollten wir besser sagen Eingekochte? Eine Küchenmannschaft musste her! Also wieder zurück ins Stadion. Wenn sich dort schon ein Künstler und die Muse für den Restaurantnamen versteckten, ließ sich doch bestimmt auch ein Koch finden. Nichts leichter als das! Während er einmal quer durch die Münchner Gastronomie, von uriger Wirtshaus- bis gehobener Sterneküche, reiste, war Jochen treuer Stammgast im Stadion. Da er im Frühjahr auf der Suche nach einer neuen kulinarischen Herausforderung und Holle und Michel nach einem Küchenchef waren, war seine nächste gastronomische Station klar: Das Obacht Maxvorstadt.

Was er dort auf den Teller bringt? Bayerische Klassiker und süddeutsche Gerichte von Schwaben über Franken bis Oberbayern, die so nur noch selten in Traditionslokalen zu finden sind. Um diese so authentisch wie möglich zu servieren, arbeiten Jochen und sein Team, wenn möglich, mit traditionell-bayrischen Rezepturen. Auf der überschaubaren Standardkarte finden sich vorwiegend deftige Gerichte, eine gute Suppenauswahl sowie Salat mit Variationsmöglichkeiten. Dazu gesellen sich tagesaktuelle Specials. Die Philosophie der Speisekarte: Klein aber fein und schnörkellose Gerichte mit viel, und vor allem außergewöhnlichem Geschmack.

Unser Obacht-Menü begann mit einer Kürbis-, beziehungsweise Breznsuppe sowie einem Rinds-Gulasch-Tapa mit Roggen-Semmelknödel und Blaukraut. Alle Vorspeisen waren ein Genuss – aber das Blaukraut eine Wucht! Auch bei unseren Hauptspeisen, Isarsaibling mit Rahmkraut und Petersilienkartoffeln sowie dreierlei Knödel mit Rote Beete, Austernpilzen und Spinat, tanzte unser Gaumen samt Geschmacksnerven mit Begeisterung die Münchner Française. Spätestens beim herrlich luftigen Weißbiertiramisu stimmen wir unserem Kellner zu: Ja, Jochen kann Kochen – und wie!

Nicht nur die Maxvorstadt, sondern ganz München kann sich glücklich schätzen, mit dem Obacht um eine Wohlfühlwirtschaft reicher zu sein, in der wir ohne viel Chichi, aber dafür mit Garantie einen gelungenen Restaurantabend genießen können. Das Obacht Maxvorstadt – ein Gasthaus mit Potential zum Stammlokal!

Kleiner Tipp: Falls ihr am 13. November noch nichts vorhabt, solltet ihr schleunigst einen Tisch im Obacht reservieren. Denn ab 19:00 Uhr heißt es dort wieder: Hirnkastl einschalten fürs Pub-Quiz! Einmal monatlich könnt ihr hierbei euer Allgemeinwissen zu den verschiedensten Themen auf die Probe stellen – oder einfach einen lustigen Quiz-Abend genießen. Wir wünschen: Viel Spaß!

Website: Obacht Maxvorstadt