Aloha Poke: ein bisschen Hawai’i in der Türkenstraße

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Bowls they said, und wieder haben wir etwas gefunden, was wir mundgerecht und schön verpackt in einen tiefen Teller oder alternativ in eine bunte Schüssel packen können. Nach Acai Bowls, Ramen und Buddha-, Frühstücks-, und Wasauchimmerduwillst-Bowls, kehrt nun auch dieser Trend in Deutschland ein. Poke!

Während man auf dem amerikanischen Festland bereits davon spricht, dass der Poke Trend ein alter Schuh sei, freuen wir uns in Deutschland auf die ersten Poke Restaurants und Poke Gerichte auf den Menükarten. Einem Italiener zu erzählen, dass Pasta out ist oder einem Japaner, dass Sushi den Zenith überschritten hat, wäre vermutlich ähnlich vermessen. Aloha, denkt sich der Hawaiianer und lächelt fröhlich vor sich hin.

Poke ist ein hawaiianisches Nationalgericht und gleichzeitig neuester Trend der panamerikanischen Küche. Ausgesprochen wird das Ganze wie PO-KEH, kein Hokey Pokey also. Wer die hawaiianische Geschichte ein bisschen kennt, weiß, dass sie durch viele andere Kulturen im Laufe ihrer ca. tausendjährigen Geschichte beeinflusst worden ist. Nicht nur 95% aller auf Hawai’i lebenden Pflanzen sind durch die von polynesischen Siedlern mitgebrachten Nutzpflanzen verdrängt worden, ebenso wurde die Esskultur sehr stark von und durch asiatische, v.a. japanische Siedler beeinflusst.

Poke hat tiefe Wurzeln in der hawaiianischen Geschichte und lange bevor überhaupt jemand aus der westlichen Welt Kontakt mit dem Gericht hatte, wurden rohe Fischreste gesalzen und gewürzt und so nicht nur haltbar, sondern auch verzehrfertig gemacht. Poke heißt wörtlich übersetzt „in kleine Stücke geschnitten“. Traditionell angerichtet mit Frühlingszwiebeln, Sesamöl, Shyoza, Salz und in Abwandlungen auch einmal mit Sriracha-Mayo, Fischrogen, Kukuinuß, essbaren Algen, mariniertem Ahi (Gelbflossen- oder Großaugen-Thun), Ono (weißer Fisch, Familie der Makrelen), kleingeschnittenem Oktopus oder Flusskrabben. Der Fisch wird dabei nicht gesäuert, was wir vom südamerikanischen Ceviche kennen, und behält dadurch seine Farbe.

„Eigentlich kann man bei Poke nichts falsch machen“, sagt der gebürtige Hawaiianer William House, ein junger, alter Freund, den wir zur traditionellen Poke befragen. „Mittlerweile kann man dutzende Varianten auch in den lokalen Supermarkets finden.“ Als wir ihm jedoch die Bilder der in München gekauften, sogenannten Poke Bowls zeigen, lächelt er eine wirkliche Bewertung mit hawaiianischer Genügsamkeit und amerikanischer Höflichkeit einfach charmant weg und sagt: „Wir freuen uns, wenn ein Stückchen Hawaii und ein wenig Aloha-Lebensgefühl nach Europa kommt.“  Besonders gutes Poke bekommt man allerdings in den Fishmarkets und traditionellen Imbissläden wie z.B. dem Hanalei Dolphin oder dem Pono Market auf Kaua’i.

Aloha Poke und Poké Bay sind die beiden kürzlich in München aufgemachten, hawaiianisch inspirierten Fast Casual Restaurants, die regional und überregional von sich reden lassen. Wir besuchten das Aloha Poke auf der Türkenstraße und waren erst einmal etwas überwältigt vom Andrang vor und im Ladenlokal. Anfänglicher Ansturm oder schon tatsächliches Liebhabertum? Wir werden das Ganze einmal im Auge behalten.

Unabhängig davon, ob die Poke Bowl hier nun der traditionellen Poke entspricht oder doch eher eine dem deutschen Gaumen und Warenverfügbarkeit angepasste Variante ist, wir finden, sie sind äußerst bekömmlich. Der Fisch wird hier nicht mariniert und ist auch nicht Hauptbestandteil des Gerichts aber man findet trotzdem altbekannte Freunde wie Algen, Frühlingszwiebeln und bekannte Saucen in den Bowls wieder. Diese kann man sich im fröhlichen gelb-orange-hippen Surferbuden-Ambiente selbst zusammenstellen. Eine große Tafel im Eingangsbereich erklärt das Prinzip: Man wählt eine Basis aus Reis oder grünem Salat, dazu dann Fisch, Fleisch oder Tofu. Toppings wie Avacado, Sellerie oder Mango runden das Ganze dann gepaart mit der Sauce der Wahl ab. Achso,  jetzt hätten wir fast das Happy End vergessen: Algen, Röstzwiebeln, Gojibeeren, Sesam oder eingelegter Ingwer kommen auch noch obenauf. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bewegt sich dabei für uns eher am oberen Limit.

Nichtsdestotrotz freuen wir uns über ein bisschen hawaiianisches Flair in München. In diesem Sinne: Mahalo!

www.aloha-poke.com