Das Café ohne Worte

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Beim Restaurantbesuch ist es für uns ganz selbstverständlich, dass wir mit dem Kellner über die Speisenwünsche sprechen und hin und wieder Small-Talk mit dem Personal zu führen. Doch wie agieren Menschen, deren Hörsinn eingeschränkt ist? Oder anders herum: Wie kommunizieren hörgeschädigte Gastronomen mit Gästen? Im Café ohne Worte finden beide zusammen.

Das innovative Gastronomiekonzept hat es dieses Jahr bis ins Finale des Gastro-Gründerpreises geschafft. Wie Gastronomie zwischen hörenden und hörgeschädigten funktionieren soll? Initiatorin Frederike erklärt uns das Konzept im Interview.

Anfang 2015 fand sich eine Gruppe Studenten der Universität zu Köln mit der Idee, „eine Plattform zum gesellschaftlichen Austausch zwischen hörenden und hörgeschädigten Menschen zu schaffen“ zusammen. Ziel für Frederike und des Projektteams der Studentenorganisation Enactus war es, „einen ersten ‚proof of concept‘ für die weltweit-einzigartigen Café ohne Worte-Events zu generieren“, erinnert sich die Mitgründerin. Das Ergebnis: Das Café ohne Worte, eine Eventagentur, die hörende und gehörlose in gastronomischer Kooperation zusammenbringt.

Ihre persönliche Motivation, sich für Menschen mit dieser Behinderung einzusetzen, hatte für Frederike viele Gründe: „Einerseits ist es für mich unvorstellbar, im Alltag immer wieder auf Barrieren und Unverständnis zu stoßen. Andererseits ist die Gebärdensprache eine unglaublich spannende Sprache, die ich gerne anderen Menschen näherbringen möchte“. Auch wenn es als gastronomisches Konzept für hörgeschädigte Menschen entwickelt wurde, will das Café ohne Worte demnach nicht nur Menschen mit dieser Einschränkung ansprechen: „Wir haben wir einen Weg gefunden, die Welt der Hörenden und die Welt der Gehörlosen auf eine spielerische Weise zu verbinden und können zeigen, dass die Kommunikation zwischen diesen beiden Gruppen nicht nur möglich ist, sondern sogar Spaß macht!“

Schon kurz nach dem Launch des Konzepts konnte das Team erste Events in der Kölner Innenstadt realisieren. „Sowohl von Gastronomen, gehörlosen Kellner*innen, aber auch hörenden und hörgeschädigten Gästen erhielten wir ausnahmslos positives Feedback“, so Frederike. Das Konzept kam an – nicht nur in Köln. Und so ist dank der großen Nachfrage aus ganz Deutschland schon wenige Monate nach dem Start aus dem Studentenprojekt „‘Café ohne Worte‘ ein eigenständiges Unternehmen geworden.“

Das Konzept bringt Frederike schnell auf den Punkt: „Als außergewöhnliche Eventagentur ermöglichen wir mithilfe unserer gehörlosen Kellner*innen und einem inklusiven Programm, einen Austausch zwischen hörgeschädigten und hörenden Menschen“. Wie wir uns eine solche Veranstaltung vorstellen können? „Gastronomiebesitzer oder Unternehmen buchen uns für ein Event. Wir sprechen ab, wie viele KellnerInnen benötigt werden und erstellen individuelle, bildbasierte Speise- und Getränkekarten in Gebärdensprache. Anschließend begleiten wir das Event während des Ablaufs und sorgen dafür, dass alles reibungslos abläuft“, so Frederike.

Nicht nur hörgeschädigte Menschen profitieren vom Café ohne Worte. Auch hörende Gäste nehmen viel von den Veranstaltungen mit. Schließlich bietet sich nicht jeden Tag die Chance, so ganz nebenbei an einem Crashkurs in Gebärdensprache teilzunehmen. Frederike ist deshalb überzeugt, dass das Veranstaltungskonzept für jegliche Art von Events geeignet ist: „Von einem entspannten Nachmittag in einem Café, einem außergewöhnlichen Abend in einer Weinbar oder als Auflockerung einer Firmenfeier“. Um zu garantieren, dass dabei auch wirklich alle Gäste glücklich werden, ist für die Initiatoren die einzige Voraussetzung, „dass es tatsächlich einen ‚Bestellprozess‘ gibt, damit es zur Interaktion zwischen unseren gehörlosen KellnerInnen und den Gästen kommt.“

In den ersten beiden Jahren mit dem Café ohne Worte hat Frederike schon jede Menge bewegender Momente erlebt. Doch ihr persönliches Highlight „ist der KellnerInnen-Kick Off Workshop, den wir vor einigen Wochen veranstaltet haben. Dort haben wir unseren neuen KellnerInnen unser Konzept vorgestellt und anschließend gemeinsam mit unseren erfahrenen KellnerInnen in einem Workshop erarbeitet, wie wir unsere Events noch inklusiver machen können. Dabei haben wir nochmal ganz persönlich erfahren, wie viel der Job unseren KellnerInnen bedeutet und wie viele Leute hinter dem Projekt stehen. Das hat mich unglaublich motiviert und nochmal einen starken Antrieb gegeben.“

Gestärkt von so viel positivem Feedback blickt Frederike der Zukunft des Café ohne Worte voller Motivation entgegen. Ihr Wunsch für die kommenden Jahre: „Dass Café ohne Worte Events bald in ganz Deutschland stattfinden und damit hörende und gehörlose Menschen zusammenbringen“.

Für diesen Wunsch halten auch wir unsere Daumen sehr gerne gedrückt. Denn wo lassen sich Menschen besser zusammenbringen als bei einem leckeren Essen, bei einem guten Glas Wein, bei einem entspannten Event? Das Café ohne Worte – ein Gastro-Konzept das zeigt, wie vielfältig soziales Engagement mit kulinarischem Genuss vereinbar ist.

Website: Café Ohne Worte