Slow Food aus dem Automaten: Digitale Gastronomie in der Data Kitchen

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Bestellt per Website oder App, zubereitet von Küchenchef Alexander Brosin, abholbereit in einer Food Wall im Restaurant: die Data Kitchen in Berlin lässt auch die Gastronomie im Zeitalter der Digitalisierung ankommen. Mit dem Prinzip „slow food fast“ zeigen der Berliner Unternehmer Cookie und SAP, wie Technik und hochwertiges Essen Hand in Hand gehen.

Die Data Kitchen in Berlin wurde im November 2016 als Teil des Data Space by SAP ins Leben gerufen. Die Idee: den größten Vorteil des Online-Shoppings – kein Warten in endlosen Schlangen – mit dem Erlebnis eines kulinarisch und atmosphärisch überzeugenden Restaurantbesuchs verbinden. Das Ergebnis: ein Restaurant, dass auf Digitalisierung setzt und trotzdem ganz ohne Roboter und 3D-Drucker auskommt.

Unser Erlebnis Data Kitchen beginnt online auf der Website – dies geht ebenso per App – wo wir aufgefordert werden, ein Benutzerkonto anzulegen. Anschließend können wir die Bestellungen im jeweiligen Portal aufgeben; inklusive der Zeit, zu der wir unser Gericht im Restaurant am Hackeschen Markt verspeisen möchten. Die Bestellportale sowie das Restaurant mit 50 Sitzplätzen sind täglich von 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet, wobei ganztägig Frühstück und ab 11:30 Uhr Mittagsgerichte zur Auswahl stehen. Auf dem Menü finden wir Berliner Küche, international interpretiert. Die Speisekarte enthält sechs feste Gerichte, wechselnde Tagesgerichte und Frühstück, größtenteils vegetarisch. Die Mittagsgerichte kosten zwischen acht und 16 Euro. Wir haben uns für Rote Bete-Suppe und Kürbis-Risotto mit geschmortem Radicchio entschieden.

Sobald unser Postfach mit „Dein Essen steht in Box ABC bereit“ ruft, heißt es: Zu Tisch! Im Restaurant angekommen, fühlen wir uns irgendwo zwischen Kantine und Trendrestaurant. Und auch wenn die technische Komponente im Fokus des Konzepts steht: Im Interieur-Design der Berliner Architektin Laura Rave spielt diese in einem Gesamtarrangement aus warmen, dunklen Farben, exklusiven Möbeln und einem spannenden Lichtkonzept, nur eine Nebenrolle. Die Food Wall als Herzstück des Restaurants ist glücklicherweise trotzdem nicht schwer zu finden und wird auch gleich von unseren hungrigen Mägen angesteuert.

Der Automat enthält Boxen, die zur Vorderseite für den Kunden als transparente Monitore erkennbar sind. Die Rückseite ist mit der Küche verbunden und wird zum gewünschten Abholzeitraum mit den Kreationen des Küchenteams rund um Alexander Brosin bestückt. Da wir bereits vorab bei der Bestellung per PayPal bezahlt haben, steht nur noch der Klick des Sesam-Öffne-Dich-Links zwischen und unserem Mittagessen. Doch auch diese Hürde ist schnell genommen und mit minimaler Verspätung halten wir auch schon unsere Speisen in den Händen.

Damit geht es ab an den uns zugewiesenen Tisch. Denn zur Begrüßung und Einweisung setzt das Digital-Restaurant trotzdem auf den Kontakt von Mensch zu Mensch; worauf sowohl die Initiatoren als auch Gastgeber Christian Hamerle besonders viel wert legen. Für ihn ist das Bestell- und Bezahlsystem eine Möglichkeit sich um den individuellen Gast zu kümmern. Er betont: „Die Data Kitchen schenkt den Gästen Zeit für sich“. Und tatsächlich: So ein Restaurantbesuch ganz nach dem eigenen Zeit-Geschmack ist ein entspanntes Erlebnis ! Abgesehen von der Serviertemperatur standen beide Gerichte denen einer traditionellen Restaurantküche in nichts nach und überzeugten mit Frische, Würze und Qualität.

Ob Selbstbedienung und Bestellung per App jemals der Atmosphäre eines stilvollen Dinners im Restaurant das Wasser reichen können, wagen wir zu bezweifeln. Für ein schnelles Frühstück oder eine zeitlich beschränkte Mittagspause präsentiert die Data Kitchen jedoch durchaus ein innovatives und zukunftsweisendes Gastronomiekonzept. Unser Fazit: Ein Digital-Restaurant, dass demonstriert, dass Digitalisierung im Bereich der Gastronomie auch mit hochwertigen Speisen und Restaurantatmosphäre funktionieren kann.

Website: Data Kitchen Berlin