Ein Abend in TelAviv – oder im Bala Baya

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Anfang 2017 ist Londons Restaurantszene um ein Juwel reicher geworden: das Bala Baya. Im Stil hipper, israelischer Tagesbars, bringt der israelische Chefkoch Eran Tibi ein Stück Tel Aviv an die Bankside. Ein Menü rund um frisches Pitta aus dem hauseigenen Pitta-Ofen, ein israelischer Shakshuka-Brunch, Londons erste Gazoz Bar: Das Konzept des Bala Baya lockt mit zahlreichen Highlights und schafft es trotzdem, die Erwartungen zu übertreffen.

Eran Tibi ist Kennern der Londoner Gastroszene aus Größen wie dem Ottolenghi und Made in Camden bekannt. Das Bala Baya ist nun sein erstes Solo-Projekt, eine Hommage an Tel Aviv, die kulturelle Vielfalt und das pulsierende, lebendige Straßenleben. Diese Atmosphäre und Ästhetik spiegelt schon das Interieur im Bala Baya wider: urbaner Bauhaus-Chic, sonnendurchflutete Gasträume, moderne Möbel.

Das Design von Afroditi Krassa soll an Tel Avivs goldene Abendstunden erinnern, in denen der Tag langsam abkühlt, die Sonne lange Schatten erzeugt und die Stadt zum Leben erwacht. Um diesen Eindruck möglichst authentisch zu gestalten, wurden Natursteine und Pflanzen aus Israel importiert. Von der Sonne durch die Außenfassade aus Glas angestrahlt – bei englischem Wetter auch gerne durch indirektes Licht –, erzeugen diese bei Dämmerung das ikonische Schattenspiel. Mit Minimalismus, Moderne und Style gelingt es Krassa, eine Harmonie zwischen den beiden charakterstarken Metropolen herzustellen.

Das Erdgeschoss ist Tel Avivs Kaffeekultur gewidmet. Die Bar im Stil des prominenten Bauhaus Balkons des Tel Avivs Cinema Hotel sowie die offene Küche sollen im Tagesgeschäft für ein schnelllebiges, Grab-and-Go Umfeld sorgen. Den Kontrast bildet das stilvolle Obergeschoss, das Dank langer Tafeln ein fast festliches Flair erzeugt und voll und ganz auf den israelischen Sharing-Charakter ausgerichtet ist. Der Blickfang ist der eigens von Erans Vater designte und angefertigte Pitta-Ofen. Dieser wurde extra aus Tel Aviv importiert.

Auch im Menü spielt Pitta eine tragende Rolle. Im Lunchmenü sogar die Hauptrolle. Serviert werden Pittataschen mit raffinierten Füllungen wie geschmorten Lammfilets mit Quitten und Pecorino. Viel aufregender als die Tageskarte ist jedoch das Dinnermenü. Die Küche ist kreativ, progressiv und authentisch. Inspiration findet Eran in der Küche seiner Mutter und ihrer Expertise für orientalische Aromen. Wie es sich für ein israelisches Familiendinner gehört, gilt dabei: Geteilte Freude ist doppelte Freude. Alle Gerichte sind für das Social-Dining konzipiert.

Wir haben uns brav an diese Aufforderung gehalten und unszunächst ein zurückhaltendes Buffet zusammengestellt. Es enthielt geschwärzten Lachs in Salzkruste mit Tahini, in Tee geräucherte Aubergine mit Harissa und einer Kruste aus Datteln und Nüssen. Dazu geräucherte, gefüllte Paprika mit Sauerkirschen. Zum Dessert entschieden wir uns für einen Schokoladen-Haselnuss Babka (ein orientalischer Hefekuchen) sowie Malabi (eine Art Gelee aus Kokosmilch und Rum) mit Rhabarberkompott.

Dafür, dass die Gerichte zum Teilen gedacht sind, waren wir über die Portionsgrößen sehr verwundert. Sie gleichen eher einer kleineren Hautspeise. Man sollte also viel Platz im Magen mitbringen. Nichtsdestotrotz, haben uns die Speisen mehr als begeistert. Minimalistisch angekündigt und angerichtet, ist der Geschmack für den WOW-Effekt verantwortlich – und das mit Erfolg.

Mit raffinierten Aromen entlockte Eran den meist simplen Zutaten Geschmacksnuancen, auf die weder die Beschreibung noch die Zusammensetzung der Komponenten hätten schließen lassen. Jeder Biss enthüllt neue Gewürze und Geschmäcker. Harmonisch auf einander abgestimmte, fiel es jedoch schwer, diese im Einzelnen zu entschlüsseln. Doch sie alle helfen zu verstehen, welche Vorstellung von Tel Aviv Eran im Bala Baya nachahmt: den vielfältigen, lebendigen, dynamischen Charakter.

Wer nach dem Essen noch nicht genug vom Abenteuer Israel hat, kann das Erlebnis entweder in Londons erster Gazoz Bar oder am Tresen von Ali Reynolds fortsetzen. Gazoz ist ein fruchtig, pflanzlicher Drink, der in westlichen Gebieten als Kombucha imitiert wurde. In Tel Aviv ist das Erfrischungsgetränk bereits seit den 1920er Jahren ein beliebtes Getränk unter Einheimischen. Das Bala Baya serviert Gazoz nach typischer Rezeptur in den Geschmacksrichtungen Plaume, Feige und Zitronenthymian sowie Zitronengras, Wassermelone und rotes Basilikum. Auch Ali Reynolds setzt auf israelische Geschmäcker. Er verpackt diese in vielversprechende Cocktails, die internationalen Klassikern einen orientalischen Twist verpassen. Um nur ein Stichwort zu nennen: Tomaten und Gurken Negroni..

Von der Begrüßung bis zur Speisekarte hält das Bala Baya eine klare Linie, die sich bis ins kleineste Detail durchzieht. Mit Persönlichkeit, Authentizität und Aufmerksamkeit vermittelt das Team den Eindruck, jeden Gast in ihrer Heimat willkommen zu heißen. Wer es also demnächst nicht nach Tel Aviv schafft: Im Bala Baya in London gibt es schon einmal einen Vorgeschmack.

Webseite: http://balabaya.co.uk/