Kini’s Kitchen: Dirndl trifft Kimono in der Küche

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Wo sich früher die Nachbarschaft in Neuhausen-Nymphenburg zum Stammtisch traf, erfüllen sich heute vier Freunde den Traum einer eigenen Gastronomie. Wo früher geschmacksneutrale Wirtshaussattmacher serviert wurden, kommt heute bayerisch-internationale Fusionsküche auf den Tisch. Wo dunkles Holz und schweres Mobiliar zu finden waren, stehen heute bunte Stühle mit Geschichte und Accessoires mit Liebe zum Detail. Willkommen in Kini’s Kitchen.

Als das Löwenbräu-Wirtshaus am Leonrodplatz den Hut an den Nagel hing, packten Jason und sein Team die Gelegenheit beim Schopf und läuteten eine neue kulinarische Ära in Neuhausen ein. Ihre Idee: Weg vom Wirtshaus, hin zum Restaurant. Ziel war es, das bayerische Erbe der Lokalität erhalten und gleichzeitig ihre Liebe für die internationale Küche einzubringen. Um diesen Spagat zu schaffen, holten sich die vier Gastro-Neulinge ein bayerisch-internationales Küchenteam ins Boot: der Chefkoch, Fleischexperte und Kreativgenie. Sous-Chef eins mit Meeresexpertise. Sous-Chef zwei mit Asia-Know-How. Die Inhaber lieferten das was, die Küchenexperten das wie.  Entstanden ist daraus eine Speisekarte, die bayerische Gerichte international interpretiert.

Damit der Gast ungefähr erahnen kann, was der Gaumen zu schmecken bekommt, sind die Gerichte auf den Standard-, Saison- und Mittagskarten mit Hinweisen auf das Geschmackserlebnis beschrieben – das eine Mal aus Sicht des Gastes, das andere Mal aus Perspektive des Gerichtes. So heißt die Kartoffelcremesuppe mit Mango und Meerrettich „geerdet aber mit Pfiff“. Das besonders bei Damen beliebte Duett vom Ziegenkäse „sweet & tussi“, das klassische Schnitzel vom Kalb in Kürbiskern-Panade „original & kernig“. Mit den kurzen aber doch aussagekräftigen Charakterisierungen der Gerichte, nehmen Jason und sein Team den Gast geschickt an die Hand und führen ihn langsam aber sicher an ihre bayerische Fusionsküche heran.

Die Restaurant-Philosophie manifestiert sich bereits im Namen Kini’s Kitchen: Kini, der Spitzname von Ludwig II, repräsentiert die traditionell-bayerische Komponente; Kitchen die moderne, internationale Interpretation. Mit der Hommage an den König von Bayern betonen Jason und Co., dass Kini’s Kitchen die Küche des Königs ist – oder besser gesagt vieler kleiner Könige, der Gäste. Im vorherigen Wirtshaus fehlte die Gastlichkeit; in Kini’s Kitchen soll sich der Gast wieder wie der König fühlen.

Königlich geht es auch beim Interieur zu: Krönchen zieren Laternen und Servietten, an der Bar thront Kini höchstpersönlich. Abgesehen von ausgewählten royalen Accessoires jedoch, ist die Einrichtung bodenständig, bunt und gemütlich. Die Gründer haben es geschafft, den Wirtshaus-Charakter der Räumlichkeiten zu erhalten und ihnen doch einen modernen Touch zu verleihen. Und das in Handarbeit. Besonderes Highlight sind die Stühle, die den einen an zähe Schultage und den anderen an langwierige Besprechungen bei der Bundeswehr erinnern mögen. Wir waren verblüfft, dass die Schulstühle, die wir als hart und unbequem in Erinnerung hatten, sich plötzlich als überraschend komfortabel erweisen – vielleicht, weil wir zum ersten Mal freiwillig auf ihnen Platz nehmen durften?

Bei unserem Besuch in Kini’s Kitchen hätten wir es locker noch einige Weilchen mehr auf den Schulstühlen aushalten und die Speisekarte hoch und runter probieren können – wäre da nicht irgendwann das böse Sättigungsgefühl eingekehrt. Wir starteten unser Menü mit Ceviche von der Eismeerforelle und Rindertartar mit Pfifferlingen. Beide Gerichte waren erfrischend und doch würzig abgeschmeckt und überzeugten mit einer Vielfalt an Geschmacksnuancen. Zum Hauptgang wählten wir das Waller-Fillet „tief & schrill“ sowie das Flat Iron Steak. Auch wenn beim Waller das Salz auf die eine Seite des Filets gerutscht war: die gegrillten Wassermelonen und das geniale Fenchel-Safrankraut ließen den Fauxpas vergessen. Spätestens als das perfekt gebratene Flat Iron Steak mit der Mais-Crème auf die Gabel kam, konnten wir uns sehr gut vorstellen, wie es sich als Kini speist.

Ehrliche Gastfreundschaft, eine spannende Speisekarte, Gemütlichkeit mit Pfiff: Wer Lust hat, die bayerische Küche aus einer anderen Perspektive zu erleben, ist bei Jason und seinem Team in Neuhausen genau an der richtigen Adresse.

Website: Kini’s Kitchen