10.5 Fragen an Öko-Landwirt Sven Lindauer

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Die Deutschen essen durchschnittlich 60 kg Fleisch pro Jahr. Das geht nur, weil Fleisch in Deutschland – auch im internationalen Vergleich – unglaublich billig ist. Zu billig, als dass es für Mensch und Tier gut wäre, denn die Fleischqualität und vor allem die Aufzuchtbedingungen der Tiere leiden unter dem enormen Preisdruck. Aber es geht auch anders.

Auf Gut Fahrenbach im Werra-Meißner-Kreis in Nordhessen werden Aberdeen Angus Rinder noch so gezüchtet, wie es für Mensch und Tier am besten ist. Der Metzgermeister und studierte ökologische Landwirt Sven Lindauer (34) begleitet dort seit August 2017 zusammen mit seiner Freundin Sarah Gabriel (31) die Produktion hochwertigen Bio-Fleischs. Von der Aufzucht über die Schlachtung, die Fleischverarbeitung bis zum Verkauf im Hofladen und über Gastronomen und Naturkostläden der Umgebung.

Für ein Praktikum im Rahmen des Studiums lebte und arbeitete Sven Lindauer eine Weile auf Gut Fahrenbach. Mit der neuen Freundin Sarah aus Hamburg kam dann die Idee, gemeinsam einen Bio-Hof zu übernehmen. Nun teilen sich die jungen Landwirte einen Pachtvertrag über 30 Jahre für rund 95 Hektar Grünland und 95 Hektar Ackerland und produzieren neben Rindfleisch auch Speisegetreide für den Naturkosthandel. In Zukunft wollen die beiden noch weiter weg von der Monokultur, hin zu mehr Vielfalt – auf dem Acker wie auch bei den Tieren.

Die Arbeit auf dem Bio-Hof ist klar verteilt: Sarah kümmert sich um die Aufzucht der Herde auf den Weiden und im Stall, Sven begleitet die Tiere bis zur Schlachtung und verarbeitet das Fleisch auf dem Hof. Noch werden die Rinder zwar von Gut Fahrenbach zu einem regionalen Schlachter transportiert. Sven Lindauer will aber die Schlachtung bald auf den eigenen Hof verlegen, um die Tötung der Tiere für diese so stressfrei und ethisch wie möglich zu durchzuführen.

Ein ausführliches filmisches Porträt über Sven Lindauer und seine Arbeit – „In der Mitte der Nahrungskette “ –  ist in einer Reihe von Dokumentationen auf www.in-der-mitte-von.de erschienen, die der nordhessische Werra-Meißner-Kreis initiiert hat. Dort werden Persönlichkeiten vorgestellt, die in dieser Gegend ihre (teils ungewöhnlichen) privaten und beruflichen Träume verwirklichen.

Wir haben Sven Lindauer 10,5 Fragen zu Leben, Arbeiten und Gesellschaft gestellt. Und so hat er geantwortet:

 

  1. Fügung des Schicksals…? Wie kamst du zu deinem derzeitigen Beruf?

Der Beruf meiner Eltern (Metzgereibetrieb) gab mir schon als Kind den Bezug zum Bauernhof, und ich war immer neugierig, was da so geschieht. Meine ersten Freunde waren glücklicherweise Kinder vom Land, und so konnte ich schon früh als Kind immer auf einem Bauernhof sein. Ein Bauernhof ist der schönste Spielplatz der Welt.

  1. „Mein Sohn ist Arzt!“…: Was hatten sich deine Eltern eigentlich für einen Beruf für dich ausgemalt?

Glücklicherweise habe ich da nie ein vorgefertigtes Bild bekommen, sondern immerzu die Unterstützung für die eigenen Wege. Schlicht: Ich weiß es nicht. In Gedanken aber sicherlich was mit Tieren.

  1. Ein Tag im Leben von…: Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei dir aus?

Auf dem Bauernhof ist Abwechslung Alltag. Tiere, Wald, Wiese, Feld, Vermarktung, Technik, Menschen, Planungen und dazu die Wetterprognosen und persönlichen und betrieblichen Ziele…

  1. Der Mensch als soziales Wesen..: Inwiefern leistest du mit deiner Tätigkeit einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft?

Einen positiven Beitrag sehe ich in der ökologischen Bewirtschaftung all unserer Felder und Wiesen sowie im besonderen Umgang mit den Tieren. Hiervon profitieren viele Menschen.

  1. Nächtlicher Weckruf: Wofür oder für wen würdest du mitten in der Nacht aufstehen?

Geschehen tut das meist, wenn im Stall eine Kuh ruft und wir schauen gehen, ob wir helfen können. Dann erleben wir das Wunder der Geburt, oder eine Mutter ruft ihr kleines Kalb, welches ruhig in der Ecke im Stroh schlummert. Also für wen? Das steht vorher nicht fest… Helfen, einem Rufen nachgehen ist bestenfalls kein Abwägen vorweg.

  1. Endlich Wochenende…? Ausschlafen, ausgehen, auspowern, ausgiebig feiern – wie verbringst du die freien Tage am Ende der Woche?

Wenn es passt: immer gerne länger schlafen und dann den Dingen nachgehen können, die sonst zu kurz kommen. Eine gute Mischung aus Ruhe, Spannung und ein paar Stunden Jogginghosen tragen.

  1. Gutes Gefühl: Wo kann man deiner Meinung nach noch guten Gewissens einkaufen und essen gehen?

Eben dort, wo ich ein gutes Gefühl habe, egal ob auf dem Wochenmarkt, im Supermarkt (meist nicht), Fachgeschäften, oder im Restaurant. Am schönsten finde ich, beim Erzeuger direkt einkaufen zu gehen und dann zu Hause die Zubereitung zu zelebrieren. Die eigene Ernte genießen und in der eigenen Küche zubereiten, mit Freunden am Tisch genießen können…dann ist es gelungen – finde ich. Sicherlich nicht jeden Tag, aber immer öfter.

  1. Material World: Ohne welchen Gegenstand könntest du nicht leben?

Bislang war immer alles da…, daher kann ich aus Erfahrung oder Vorstellung heraus diese Frage nicht beantworten.

  1. Wut im Bauch: Die einen werden Choleriker beim Autofahren, die anderen rasten aus, wenn der Kellner den Gin Tonic nicht schnell genug bringt. Was bringt dich total auf die Palme?

Meistens ich mich selbst… und mangelnde Zuverlässigkeit, nicht erfüllte Erwartungen – wobei ich dann wieder bei mir selbst bin.

  1. Geschmacksache: Wir mögen Nutella mit Ei aufs Brot, was ist dein favourite Food-Crime?

Oh, da bin ich raus… kann da nichts vorweisen. Zum Glück – oder schade?!

   10,5. Deine Message an die Welt: 140 Zeichen gehören dir!

Wir haben nur diese eine Welt mit all ihrem Reichtum und ihrer einzigartigen Schönheit. Für kein Geld der Welt können wir neue Natur, Ressourcen oder Klima kaufen.

Danke, dem haben wir nichts hinzuzufügen.