Zum Glück allein: Unsere Top 7 für einen Valentinstag ohne Begleitung

Geschrieben von

Jetzt mal ganz im Ernst: Ich finde den Valentinstag so überflüssig wie eine Mandelentzündung im Strandurlaub, aber irgendwie kommen wir ja doch nicht dran vorbei. Ob als begeisterter Anhänger des aus den USA importierten 14. Februar-Rituals oder als bekennende Anti-Valentinstag-Amazone – eine Reaktion bleibt eben eine Reaktion.

Deshalb möchte ich die folgenden Top 7 Tipps für den 14. Februar (ab jetzt wird das V-Wort ignoriert) loswerden. Nehmt sie schlicht als Möglichkeiten für einen tollen Abend allein denn als Programm für die angeblich einsamen und verzweifelten V-Tag-Verlierer. Denn wer den Rest des Jahres auch nicht einsam und verzweifelt ist, hat an diesem Tag keinen besseren Grund dazu. In diesem Sinne: Single or not, here we go.

#1 Treat yourself well(ness)

Zugegeben, Voraussetzung dieser Variante ist, dass deine Chefin dir den Tag frei gibt. Sich zwischendurch mal einen Tag frei zu nehmen, ist aber ohnehin  eine gute Idee, also warum nicht heute? Ist dieser Schritt getan, empfiehlt es sich wärmstens, mal so richtig die Seele baumeln zu lassen und den nächsten Spa-, Wellness- oder Hamam-Tempel aufzusuchen.

Sauna, Dampfbad, ein paar Bahnen schwimmen, Massage, Maniküre, Gesichtspflege, eine Runde Yoga. Was auch immer im Angebot ist, lass dich verwöhnen und wähle eine Mischung aus animierenden Aktivitäten und pflegenden Anwendungen. So fühlst du dich am Ende des Tages wie ein neuer Mensch, und das Datum hast du nach 10 Minuten Wellness eh vergessen. Richtig so.

In München und Umgebung könnte man hier den Tag verbringen:
Das Tegernsee (Tegernseer, ca. 60 Min. mit dem Auto), Das So SPA im Sophitel München, das Blue Spa im Bayerischen Hof, das Hamam Mathilden, die Thermen Bad Aibling (ca. 50 Min. mit dem Auto) und Erding (ca. 40 Min. mit dem Auto).

#2 Das wär doch nicht nötig gewesen

Sich ab und zu mal selbst ein Geschenk zu machen, ist auf jeden Fall ein gute Idee. Oft ist das sogar nur eine Frage der entsprechenden Einstellung, denn etwas „kaufen“ tun wir ja ohnehin ständig. Ob man sich aber mal noch schnell einen Schal kauft auf dem Weg, weil man die Kälte doch unterschätzt hat, oder die Auswahl eines neuen Winterschals zelebriert, schön verpacken lässt und sich selbst als Präsent überreicht, sind zwei verschiedene Paar Stiefel.

Ich votiere also sehr dafür, sich am 14. Februar etwas Gutes im letzteren Sinne zu tun. Fortgeschrittene können sich das Selbst-Geschenk auch ins Büro liefern lassen. Aber bitte nicht wie in amerikanischen chick-flicks „von einem heimlichen Verehrer“, sondern mit breiter Brust „von mir an mich“. So. Schluss mit der Heimlichtuerei und betretenen Blick, wenn rauskommt, dass man kein Sweet Valentine hat – wir sind schließlich nicht in den USA.

Schöne Ideen für Selbst-Geschenke:
Ein bisschen Klischee, aber einfach immer schön sind Blumen, z.B. bei Fleur fatale in echt oder täuschend-echt. Alternativ ein kleines Schmuckstück von Glanzstücke oder schlicht ein richtig gutes Buch, das man sich gleich für #7 vornehmen kann. Ich habe gelacht und geweint und viel nachgedacht bei der Lektüre von Ein fauler Gott von Stefan Lohse, einem der schönsten Bücher des vergangenen Jahres.

#3 Dinner for one

Alleine essen zu gehen ist für viele ein absolutes No-Go. Wie peinlich, finden die, was sollen denn nur die anderen denken. Die anderen denken wahrscheinlich gar nichts. Warum sollten sie auch? Gutes Essen schmeckt ja zweifelsohne auch allein richtig lecker. Und wer es mit sich selbst tatsächlich nicht ohne Fremd-Beschallung irgendeiner Art aushält, der kann wahlweise sein Buch weiterlesen oder auf dem Handy über Netflix die neueste Sucht-Serie weiter gucken. Ich habe gehört, „Dark“ soll sehr – ähhm – gut sein.

Entscheidende Kriterien der Restaurantauswahl sind Größe (des Restaurants und der Tische), Aussicht (gibt es was Spannendes zu gucken?), das Publikum (gehen hier nur verliebte Paare hin?) und die Bar (kann man daran neben anderen Fremden sitzen und essen?): Bar Centrale (Winztische), Schumann’sSchnelle Liebe, Little Wolf (haben alle Sitzplätze an der Bar und deftigstes Essen).

#4 Bühnengeschehen und Leinwandhelden

Bühnen- und Leinwand-Performances sind, so glaube ich fest, eigentlich dafür gemacht, sie allein anzusehen. Man sitzt im Dunkeln und guckt nach Vorn, dorthin, wo etwas aufregendes passiert. Geredet wird nicht. Es sei denn, man hat eben jemanden dabei, der das unbändige Bedürfnis hat, das Gesehene permanent zischend in mein Ohr zu kommunizieren. Dem möchte man doch einfach nur die Clutch über den Kopf ziehen. Aber im Ernst. Nirgendwo sollte allein-sein so normal und anerkannt sein wie in dunklen Konzert-, Theater oder Kinosälen. Und glücklicherweise gibt es im schönen München auch am 14. Februar genug Programm dieser Art, um einen richtig tollen Abend zu verbringen.

Bevor jemand fragt: Ja, natürlich kann man sich am 14.2. den dritten Teil des langweiligsten Soft-Pornos der Welt angucken, an dem das verstörendste wohl die Auffassung ist, dass Unterdrückung und Psycho-Terror der Ehefrau gegenüber ok sind, solange der Mann reich und ansehnlich ist. 50 Shades of Grey wird an diesem Abend wohl fast überall laufen. Muss man aber auch echt nicht.

Besseres Abendprogramm gibt es hier:
Circus Krone II. Winterprogramm um 20.00 Uhr, Der große Gatsby im Münchner Volkstheater um 19:30 Uhr, Ballett Extra im Probehaus der Bayerischen Staatsoper um 20:00 Uhr, Ensemble-Liederabend in der Bayerischen Staatsoper um 19:30 Uhr, Masud Comedy im Schlachthof-Ox um 20:00 Uhr, The Phantom Thread (Daniel Day-Lewis) und The Disaster Artist (James Franco und Dave Franco) sorgen im Februar neu für Unterhaltung.

#5 Sportliche Vorsätze 

Man kann diesen Tag natürlich auch bestens dafür nutzen, Versprechen einzulösen, die man sich selbst gegeben hat. Zum Beispiel zu Thema Sport. Es ist ja eine unbestrittene Wahrheit, dass die Fitnessstudios zum Jahresbeginn voller sind als den Rest der Zeit. Die guten Vorsätze halten bei den meisten einfach nicht sehr lange vor, was vielleicht auch der Tatsache geschuldet ist, dass diese unter der bedeutungsschwangeren Last des völlig zufälligen Jahresenddatums zu zerkrümeln drohen. Also nehmen wir es nicht als guten Vorsatz, sondern als Versprechen, das man sich selbst gegeben hat – für Versprechen gibt es eindeutige ethische Grundsätze: Sie sollten gehalten werden.

Der Februar ist genau der richtige Monat, die Neujahrsversprechungen wahr zu machen. Also in der Früh Sporttasche packen und mit ins Büro nehmen, damit man auf dem Heimweg gleich am Studio vorbeigehen kann – wer einmal daheim ist, geht nicht mehr. Ob Yoga, Zumba, Thai-Boxen, Spinning, Bauch-Beine-Po-Kurs oder Pumpen mit freien Gewichten, Hauptsache Bewegung! Das macht nicht nur körperlich fetter, sondern auch seelisch ausgeglichener und lässt einen besser schlafen.

A propos körperlich und seelisch:
Der gern zitierte lateinische Ausspruch Mens sana in corpore sano bedeutete keineswegs, dass die Römer davon ausgingen, für einen wachen Verstand brauche es auch einen trainierten Körper oder vice versa. Der Ausspruch war einfach nur die Formulierung des Ideals, so wie wir uns heute auch wünschen, unser(e) Liebste(r) möge bitte klug und schön sein.

#6 Couchsurfing

Nach Hause kommen, Schuhe und Mantel abstreifen, Türe hinter sich schließen und die Stille der Wohnung genießen, die nur vom Brummen des Kühlschranks durchbrochen wird. Allein daheim kann so unglaublich schön sein. In den eigenen vier Wänden sind die meisten am ehesten sie selbst, und das sollte man an diesem Abend zelebrieren. Was immer es also ist, was euch zuhause am glücklichsten macht – tut es. In meinem Fall hieße das: Jogginghose an, Spaghetti mit Pesto, frischen Tomaten und Büffelmozzarella machen und mit meiner Lektüre ab auf die Couch. (Man kann sich Essen ja mittlerweile auch liefern lassen, das wäre also auch eine Option.)

Nach dem Essen dann ab in die Badewanne, natürlich mit Schaumbad oder Aromatherapiegedöns, weil es dann einfach mehr Spaß macht. Meinen Laptop mit der Netflix-Serie der Wahl stelle ich auf einen Hocker in ausreichend Entfernung zum Badewasser (Elektroschockgefahr), jetzt noch Kerzen an und eine Gesichtsmaske inklusive Haarkur auflegen und zum Entspannen die Wanne. Nach ein bis zwei Folgen ist man so relaxed, dass man kaum noch aus der Wanne kommt. Zurück in die Jogginghose steigen, Buch von der Couch holen und ins Bett gehen, beim Lesen Fuß- und Fingernägel lackieren. Ach ja, wann bin ich eigentlich mal wieder allein daheim?

Ingredienzen eines Zuhause-Abends (ohne Anspruch auf Richtig- oder Vollständigkeit): Eine sehr empfehlenswerte Couchlektüre ist Die Hauptstadt von Robert Menasse, der preisgekrönte Bestseller des Österreichers, alternativ auch Romeo oder Julia des ewig genialen Gerhard Falkner. Auf Netflix kann man grad über The end of the f*** world lachen oder mit Verdorben etwas über die weltweite Nahrungsmittelindustrie lernen – und sich ärgern. Badeöle und Schaumbäder, Masken für Gesicht und Haare und Nagellack bitte einfach im Drogeriemarkt des Vertrauens besorgen.

#7 I just wanna dance

Der 14. Februar 2018 ist ein Mittwoch, also in den Köpfen der meisten Erwachsenen wohl eher kein Tag zum Feiern und Ausgehen. Schade eigentlich, denn Mittwochs ist in den Münchner Clubs richtig was los. Ich habe dabei die Erfahrung gemacht, dass alleine tanzen zu gehen dort am meisten Spaß macht, wo die Musik eigentlich ein bisschen zu mainstreamig, die Leute ein bisschen zu einfach und die Drinks ein bisschen zu stark sind.

Vergesst also mal für diese Nacht euren liebsten Underground- oder Szeneschuppen und geht irgendwo hin, wo euch keiner sehen sollte. Denn heute sieht euch ja keiner. And then dance like nobodys watching! Natürlich gibt es in diesen Etablissements auch immer die Gelegenheit, den Rest der Nacht dann nicht mehr allein zu verbringen – we don’t judge, aber denkt dran: Am nächsten Morgen seid ihr dann eben auch nicht allein…

Gute dunkle Orte zum anonymen Abzappeln:
Lässiger Mittwoch in der 089 mit Musikbingo ab 21:00 Uhr, 2 for 1 im Americanos City mit 2 Drinks zum Preis von einem, Mädchenhouse in der Milchbar mit Deep-House und Charts, Feiern unter der Woche im Willenlos für richtig Willenlose oder Garry Klein im Harry Klein für die Münchner Gayszene.