TIAN München: #gönndir vegetarisch

Geschrieben von

Das TIAN in München ist schon ein wenig sagenumwoben: Man hat es kaum auf dem Schirm, da gewesen ist man selbst noch nicht, kennt aber jemanden, der einen kennt, der da schon gegessen hat. Auch wir sind mit unserem Büro im Tal nicht mal zehn Minuten vom TIAN entfernt, werden aber zur Lunch-Zeit meist kurz davor bei einem der Stände auf dem Viktualienmarkt schon eingezogen. Also: Durchmarschieren, standhaft bleiben und direkt rein in den vegetarischen Gourmet-Tempel. Und ohne spoilern zu wollen: Wir haben es tatsächlich geschafft!

Hinein spaziert ins Gourmetrestaurant und genau das ist auch Programm: Erstmal werden die Jacken abgenommen, man wird zum Tisch begleitet, eine Flasche Wasser und Wein werden angeboten,  Brot und Butter auf einem kleinen Ast serviert. Hübsch, hübsch, das alles, aber auch ein klein wenig steif. Das ist aber bei Restaurants auf diesem Niveau (leider) oft nicht zu vermeiden: So ist das TIAN eben das erste Pendant des mit einem Michelin-Stern und drei Gault Millau-Hauben ausgezeichneten vegetarischen Wiener Gourmet-Restaurants TIAN. Und selbst auch auf dem Weg zum Stern; dieses Ziel hat sich das Restaurant unter der Leitung von Küchenchef Mario Mößlacher seit letztem Jahr gesetzt. Mario hat schon in vielen Spitzenrestaurants gekocht und gibt seit 2017 im TIAN den kulinarischen Ton an: „Wir verarbeiten nur die besten und frischesten Produkte und verwandeln diese in sinnmachende und sinnstiftende Gerichte, die Neugier wecken, den Gaumen überraschen und eine Sehnsucht nach mehr entfachen“, so der junge Chefkoch.

Damit hat Mario uns genau richtig getriggert und so wählen wir aus dem Menü drei Gänge (für absolut faire 23 Euro) aus, die wirklich fancy klingen: Paprizierte Kohlsuppe mit Kartoffel-Crostini als Vorspeise, Kürbisrisotto mit ganzen Kastanien und Rosenkohl zum Hauptgang und zum Schluss einen Safranmilchreis mit Gewürzaprikosen. Ganz normales Mittagessen eben, eh klar.

Dann kommt auch schon der Teller mit einer Portion pochiertem und gewürzten Kohl, über die dann am Tisch eine dampfende Kohlbrühe gegossen wird. Dazu ein Crostini mit Kartoffelstampf, beides sehr fein und für den ungeübten Magen fast ein komplettes Mittagessen. Aber nicht hier im TIAN, denn es geht noch weiter und darüber sind wir auch sehr glücklich: Das Risotto kommt mit perfekter Konsistenz daher, fein abgeschmeckt mit ganzen Maronis und Rosenkohl. Als wir uns kurz aus unserer Versunkenheit lösen können (Mario, du prima Koch), lassen wir mal das Ambiente auf uns wirken: Samtige Oberflächen in zartem beige, eine bepflanzte Wand, klassisch eingedeckte Tische, elegante Stühle… man kann sich hier durchaus wohlfühlen und einen Moment innehalten.

Zur Ruhe kommen lässt uns Mario allerdings noch nicht – es fehlt ja noch das Dessert. Den sämigen Milchreis mit knackig-soften Gewürzaprikosen schafft aber nur eine von uns ganz zu verputzen. Für eine normale Mittagspause viel, aber fein und lässt sich durch den zackigen Service gut innerhalb einer Dreiviertelstunde entspannt unterbringen. Gut zu wissen: Auch am Samstag gibt es das Mittagsmenü und mit ein bisschen mehr Zeit lässt sich dieses sicher noch adäquater genießen! Oder man schneit einfach abends mal rein; in noch eleganterem Ambiente: „Abends ist hier nochmal eine ganz andere Stimmung, auch sehr zu empfehlen“, sagt Restaurantleiter Daniel Dallabrida. Drei bis acht Gänge werden einem dann kredenzt (vegan bis zu sechs); und der Abend birgt ganz nebenbei noch einen Vorteil: Der Viktualienmarkt ist geschlossen und kann einen gar nicht kurz vorher verführen. Aber mal ganz im Ernst: So feines vegetarisches Essen wie hier im TIAN hat der auch gar nicht zu bieten!

tian-restaurant.de