Heiß auf kalten Fisch: Die Cevicheria Pez

Geschrieben von

Die peruanische Küche erfreut sich ja in Deutschland jetzt schon seit einiger Zeit einer immer größer werdenden Beliebtheit. Kein Wunder, denn diese südamerikanische Küche ist sehr vielseitig und vor allem international. Dabei wurden die peruanischen Gerichte nicht nur von den Ureinwohnern Perus, den Inkas, beeinflusst, sondern auch von vielen unterschiedlichen ethnischen Einwanderergruppen, die z.B. afrikanische, europäische, chinesische und japanische Einflüsse mitbrachten. Verrückt sind alle aber vor allem nach einem: dem peruanischen Nationalgericht Ceviche!

Ce-was? Ceviche! In seiner Ursprungsform besteht das Gericht aus kleingeschnittenem Fisch, der in einem Leche de Tigre-Sud mariniert wird. Das ist fast vergleichbar mit der hawaiianischen Poke. Mariniert wird die Ceviche aber deutlich anders als das Nationalgericht aus Hawai’i. Der oben genannte Leche de Tigre-Sud besteht aus Zitrussaft (meistens Limettensaft), Salz, Knoblauch und Chilis. Dazu kommen rote, in feine Ringe geschnittene Zwiebeln und Rocoto, ein paprikaähnliches, sehr scharfes Gemüse, und je nach Gusto dann auch Ingwer, Sellerie und Koriander, die mit dem Fisch vermengt werden. Aufgrund der Zitronensäure kommt es zu einer Denaturierung des Eiweißes, ähnlich wie beim Kochen, so dass der Fisch leicht „angart“.

Genau das haben wir unter anderem auch in der ziemlich neuen Cevicheria Pez gegessen! Genau, Cevicheria, weil sich (fast) alles um das Nationalgericht dreht, und Pez, weil Pez auf spanisch eben Fisch heißt. Kathrin Strauß und ihr Mann Ricardo Lutz betreiben die Cevicheria seit Februar 2018, wobei die beiden im Gastro-Gewerbe alles andere als Newbees sind. Die Familienbande betreibt nicht nur das Nasca, ein weiteres peruanisches Restaurant, sondern auch die Cohibar in Nähe der Maximilianstraße.

Aber zurück zur Cevicheria Pez! Die Umbauten des vormals afghanischen Restaurants in der Occamstraße, da noch mit viel dunklem Holz und Bling Bling, nahmen deutlich mehr Zeit ein als gedacht. Als wir den wunderschönen, hellen Raum mit pastelligen Accessoires und dem modern interpretierten, mediterranen Ambiente betreten, können wir erahnen, warum. Die Verwandlung könnte kaum größer sein. Fast die komplette Front wir von Fenstern eingenommen, helle Möbel, türkis-, gold- und apricotfarbene Details, wie z.B. ein großer aufgemalter Fisch, der auch das Logo darstellt, geben dem Raum einen sommerlichen, leichten Look.

Während der Laden um 19 Uhr fast noch leer ist, füllt es sich gen 20 Uhr zunehmend. Das Publikum ist angenehm gemischt; neben uns sitzt eine Familie mit zwei Kindern, gegenüber ein Päarchen und zwei Freundinnen, vermutlich beim Afterworken. Dass die Cevicheria unter den südamerikanischen Münchnern schon bekannter ist, verwundert uns nicht. So vernehmen wir im dichten Gemurmel des Raumes das ein oder andere spanische Wort. Authentischer könnte es nicht sein!

Viele Gäste kommen auch spontan vorbei, weil sie aus dem Viertel sind und schauen möchten, was es hier Neues gibt“, erzählt uns Kathrin Strauß.

Nun aber zum eigentlichen Star des Abends: der Ceviche! Wir starten mit der Classico Variante, bestehend aus dem Fisch des Tages, eingelegt in Leche de Tigre mit einem Hauch von Süßkartoffelpüree, roten Zwiebeln und zweierlei Mais. Davon ist der eine geröstet (Cancha Mais), ohne aufzuspringen wie Popcorn, und der andere beinahe so groß wie eine Knoblauchzehe und fast glasig weiß. Die Variante Nikkei mit Tamarinden-Soja-Sauce, Sesam, Lachs und Avocado haut uns allerdings mindestens genauso um. Begleitet werden die beiden ersten Showstopper von einer alkoholfreien Chicha Morade, einem violetten Maisgetränk aus Peru, und einem Pisco Sour (Pisco, Limettensaft, Eiweiß, Angustura).

Während die Ceviche kalt und so direkt im Gastraum an der Theke zubereitet wird, gibt es einen zweiten Koch, der für die warmen Gerichte im hinteren Bereich zuständig ist. Denn unabhängig von der Ceviche gibt es auch noch einige warme Gerichte, wie zum Beispiel Arroz con Mariscos, ein Meeresfrüchterisotto in pikanter Sauce, das ein bisschen an eine Paella erinnert und vorzüglich schmeckt! Alle Zutaten werden übrigens täglich frisch eingekauft und verarbeitet.

Zum Nachtisch werden wir noch einmal mit einer uns unbekannten Zutat überrascht, nämlich einem warmen, im Kern flüssigen Schokoladenkuchen mit Helado de Lucuma. Lucuma-Eis? Lucuma ist eine subtropische Pflanze, die unter anderem auch das Gold der Incas genannt wird und vor allem in der Andenregion kultiviert wird. Roh gegessen hat die Frucht eine unangenehme, trockene Struktur und einen ebenso unschönen Nachgeschmack. Aber als Geschmack für Saft, Milchshakes und vor allem für Eiscreme entfaltet die Frucht ihren vollen Glanz. Der wirklich einzigartige Geschmack wird unterschiedlich beschrieben: ähnlich Süßkartoffeln, Ahornsirup oder Karamellbonbon, und das dann alles auch irgendwie in einem.

Für das bald anstehende Frühlingswetter gibt es in der Cevicheria Pez dann nicht nur die lichtdurfluteten Innenplätze, sondern auch eine hübsche Terrasse. Auf der, sind wir sicher, wird sich der frische, kalte Fisch und ein gekühltes Glas Weißwein wunderbar machen. Wir kommen gern wieder und freuen uns über ein weiteres Restaurant, das uns Südamerika und seine vielfältige Küche ein bisschen näher bringt.

Internetseite: www.cevicheria-pez.de