Off the beaten Tapas track in Madrid: Sala de Despiece

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Ein Restaurant das übersetzt so viel wie „Schnittraum“ bedeutet und bei der Inneneinrichtung mit Styropor punkten will – zugegeben, das klingt eigenartig. Madrid’s außergewöhnlichstes Tapas Restaurant „Sala de Despiece“ überzeugt aber gerade deshalb. Off the beaten Tapas track, weil es erfrischend unkonventionell ist und jeder Besuch hier zu einem besonderen Erlebnis wird.

Schon von außen lässt sich vermuten, dass man hier kein typisches Tapa Restaurant mit klassischem Angebot findet. Die Fassade ist mit weißem Wellblech verkleidet, auf der mit großen schwarzen Buchstaben der Name prangt. Dank des „Heineken“ Logos direkt daneben, kann man zumindest davon ausgehen, dass es Bier geben muss. Ausversehen verirrt sich in das Sala de Despiece wohl kaum jemand, Touristen schon gleich gar nicht.

Im Inneren staunt man dann nicht schlecht – der Name „Schnittraum“ macht plötzlich Sinn! Weiße Fließen und bunte Styropor-Schachteln verkleiden die Wände und erinnern sofort an eine Metzgerei. Auf den Styropor-Schachteln, die Fleisch kalt halten sollten, kleben noch die Etiketten der Lieferung. An den Seiten befinden sich weiße Theken mit Metall-Barhockern und mittig ein langer, breiter Hochtisch. Die Gäste tummeln sich auf engem Raum.  Um zu einigen Plätzen zu kommen, muss man sich durch die Gänge quetschen oder  erstmal unter dem großen Hochtisch auf Tauchkurs gehen. Und dennoch hat das Ganze wirklich seinen ganz eigenen Charme.

Durch große Eisenhaken und Körbe, in denen Besteck und Servietten liegen,  die an Schienen an der Decke befestigt sind, manifestiert sich der Metzgerei-Charme noch einmal ungemein . Ob sich Vegetarier hier wohl fühlen würden? Schwierig zu sagen – die Karte jedenfalls hat auch ein paar vegetarische Gerichte im Angebot. Dabei haben die Gerichte sehr spannende und fantastische Namen, die uns das ein oder andere Mal zur Wörterbuch-App greifen lassen.

Aber macht nicht genau das Urlaub aus? Wagemutig Neues entdecken und und sich dann einfach einmal überraschen lassen? Das könnte einem im Sala de Despiece definitiv auch passieren. Hier werden nämlich auch nur die Hauptzutaten angepriesen, wodurch man dann nur erahnen, kann, was einem später serviert wird. Wir mögen das! Abenteuer!

Alle Gerichte werden in verschiedene Sektionen wie „Vegetarisch“, „Meeresfrüchte“ oder „Fleisch“ eingeteilt. Dazu wird das Hauptprodukt, die Herkunft und die Zubereitungsart aufgelistet. Die Auberginen mit Sardinen und einer Escabeche Emulsion stammen beispielsweise aus Almeria. Wohingegen der gegrillte Oktopus mit Chimichurri Sauce aus Galicien stammt.

Nicht selten verlangt das Servierte noch nach etwas „Do it yourself“-Einsatz vor dem Verzehr. So auch beim „Presa Ibérico“, der mit einem fruchtigen Curd und geriebenen Manchegokäse serviert wird. Vom Kellner erhält man die Anweisung zuerst das Curd mit dem Käse zu vermischen und es dann auf dem Schinken zu verstreichen. Ungewohnt, aber eine ganz sicher eine geschmackliche Überraschung. Fleisch, Käse und Frucht harmonieren ganz wunderbar in dieser Kombination. Genauso überraschend köstlich sind die Artischockenherzen mit karamellisierten Kalamata-Oliven, geräuchertem Aal und einem Erdnuss Crunch.

Zu den den Favoriten und meist bestellten Gerichten zählt das Red Tuna Tatar aus Murcia. Serviert wird es mit einem asiatischen Dip namens Weeping Tiger und knusprigen, schwarzen Meeresalgenblättern. Es Bedarf etwas Fingerspitzengefühl, das Tatar mit der Sauce auf die dünnen Blätter zu stapeln und dann noch stilvolll abzubeißen – aber der fantastische Geschmack entlohnt einen für die Mühen.

Patatas Bravas und Albondigas sucht man im Sala de Despiece vergebens, jedoch findet man diese zur Genüge in den zahlreichen anderen Tapas Restaurants der Stadt. Wer hierher kommt, weiß Außergewöhnliches zu schätzen und freut sich bereits vor seinem Besuch auf die ein oder andere kulinarische Überraschung.

Webseite: www.saladedespiece.com